Johannes der Täufer

Kühl ist es und recht früh am Tag, angenehm die Wärme der Morgensonne. Der Boden, auf dem wir gehen, fühlt sich weich an und sandig. Der Weg schlängelt sich durch ein Dickicht von Schilf und Sträuchern. Turteltauben begleiten uns mit lautem Gurren. Und dann, dann sind wir da. Stehen still am Ufer. Nachdenklich. Erwartungsvoll. An dem so bedeutenden Wasser!

Gedanken für den Tag 12.12.2017 zum Nachhören:

Denn wir – eine kleine Reisegruppe aus Österreich – wir stehen am Jordan. Nur vier bis fünf Meter ist er hier breit, einige Kilometer nördlich vom Toten Meer. An dieser Stelle sind Archäologen vor 20 Jahren auf Fundamente einer byzantinischen Kirche gestoßen; sie stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist dem Gedächtnis an die Taufe Jesu geweiht. Alle vier Evangelisten des Neuen Testaments überliefern die Taufe Jesu im Jordan. Doch nur Johannes gibt dafür einen Ort an, nämlich „Betanien auf der anderen Seite des Jordan“ (Joh 1,28). Diese Taufstätte, arabisch Al-Maghtas, liegt heute auf jordanischem Staatsgebiet. Sie ist durch Besuche von Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Papst Franziskus ins Licht einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Und vor zwei Jahren hat sie die UNESCO in die Liste des World Heritage, des Weltkulturerbes aufgenommen.

Josef Schultes
ist katholischer Bibelwissenschaftler

Alte Ufer verlassen

Am Jordan: dort, wo einst Elija wirkte, der „Mann aus Feuer“ – in dieser „Propheten-Gegend“ tritt auch Johannes der Täufer auf. Klar und fordernd sein Ruf nach „báptisma metanoías“: nach einer Taufe des Umdenkens, des Neuwerdens durch Schuldeinsicht (vgl. Lk 3,3). Adressiert an Scharen von Menschen: „Es zog zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa“, erzählt der Evangelist Matthäus, „und sie wurden von ihm im Jordan getauft“ (Mt 3,5f). Im fließenden Wasser, dem Symbol der Reinigung und der Veränderung.

Johannes im Jordan: ein Mann mit Profil, dieser Lehrer und Vorläufer Jesu. Initiator einer Taufbewegung von globaler Reichweite für alle Christinnen und Christen. Johannes: Warum er mich fasziniert? Weil er mich ermutigt, alte Ufer zu verlassen. Weil er mich einlädt, dem Neuen in meinem Leben eine Chance zu geben. Ankommen bei mir selbst: Advent am Jordan...

Musik:

„Jordanian Mijwiz“ von Lars-Luis Linek, bearbeitet von Johannes Matthias Hoffmann
Label: Perfect Pitch PP 016