Die stillste Zeit im Jahr

„Die stillste Zeit im Jahr“ – so heißt eine Erzählung von Karl Heinrich Waggerl über das vorweihnachtliche Brauchtum im Salzburger Land.

Gedanken für den Tag 20.12.2017 zum Nachhören:

Still war diese Zeit freilich nie, denn zur Tradition gehören auch die Weihnachtsmärkte mit Glühwein und heißen Maroni. Einkaufsbummel und –rummel bestimmen besonders die Tage unmittelbar vor Weihnachten. Städte und Dörfer erscheinen in festlichem Glanz mit Lichterketten und Weihnachtssternen. Kirchen, Schlösser und Burgruinen erstrahlen in warmem Licht. Und wenn dazu noch der Schnee leise rieselt und die Temperaturen um den Gefrierpunkt liegen, dann ist die weihnachtliche Stimmung perfekt.

Erwin Kräutler
war lange Zeit katholischer Bischof der brasilianischen Diözese Xingu

„Die Gnade kam in dieser Nacht“

Für viele aber ist Weihnachten eine echte Herausforderung. Der Heilige Abend kann sogar zu einem Albtraum werden. Wer will denn schon frustrierte Gesichter sehen, wenn aus einer wunderschön gefertigten Verpackung nicht das ersehnte Geschenk hervorquillt?

Wir leben in einer sehr hektischen, unruhigen Welt. Was uns fehlt sind Momente der Stille, des Schweigens. Die langen Abende im Dezember sind geradezu geschaffen für Einkehr und Besinnung, uns selbst zu finden, in den innersten Kern unseres Seins vorzudringen, um die Gegenwart des liebenden Gottes neu zu erfahren. Gott spricht nicht im Lärm, im Trubel, in der Hektik. Im Alten Testament gibt es eine wunderbare Erzählung (1 Könige 19,11-12) wie Gott sich dem Propheten Elija geoffenbart hat: nicht im Sturm, nicht im Beben, nicht im Feuer, sondern Gott sprach zu ihm als die “Stimme verschwebenden Schweigens” (Martin Buber).

In einer Predigtsammlung aus dem Jahre 1170 finden wir die erste Erklärung des Wortes Weihnachten: „Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht.“ Es ist die stille Nacht der Liebe Gottes und Treue zu uns Menschen.

Musik:

Mormon Tabernacle Choir, Orchestra at Temple Square unter der Leitung von Craig Jessop: „How far it is to Bethlehem?“ bearbeitet von Mack Wilberg
Label: Telarc CD 80552