Ochs und Esel, Moos und Tannengrün

In Österreich ist Weihnachten meist ein Fest der Familie, des gemütlichen Beisammenseins in einer warmen Stube mit stimmungsvollen Liedern und Geschichten. Erinnerungen steigen hoch, Sehnsüchte werden wach. Wehmut umfängt Herzen, wenn die Gedanken zu lieben Menschen gehen, die für immer Abschied genommen haben oder nicht daheim sein können.

Gedanken für den Tag 22.12.2017 zum Nachhören:

„Stille Nacht“ gehört zum Heiligen Abend genauso wie die feierliche Verkündigung der Weihnachtsbotschaft. Anstelle des widerlichen Weihnachtsmannkitsches hat für Christen die Krippe ihren Platz unter dem Christbaum. Schon in der Antike gab es Darstellungen des Stalls von Betlehem mit dem Jesuskind in der Futterkrippe. Ochs und Esel waren von Anfang an mit dabei, obwohl kein Evangelium sie erwähnt. Maria und Josef, die Hirten mit den Schafen und die Weisen aus dem Morgenland mit ihren Kamelen sind erst später dazugekommen.

Erwin Kräutler
war lange Zeit katholischer Bischof der brasilianischen Diözese Xingu

Gott im Alltag der gesamten Schöpfung

Der Grund für die Erwähnung der beiden Tiere ist ein Vers beim Propheten Jesaja (1,3): „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe des Herrn. Israel aber hat keine Erkenntnis.“ Die Tiere scheinen für Jesaja Gott näher zu sein als die Menschen. Ochs und Esel wissen, wohin sie gehören. Beide sind Zug- und Lasttiere, erleichtern dem Menschen die Arbeit bei der Feldbestellung und bei der Ernte. Und der Prophet jammert über die Menschen, die Gott vergessen haben.

Die Gegenwart der Tiere will aber noch mehr sagen. Gott kam in den ganz gewöhnlichen Alltag arbeitender Menschen und ist nicht nur an Sonn- und Feiertagen zugegen. Ochs und Esel vertreten die Tierwelt. Und es gibt keine Krippe ohne Moos und Tannengrün. Gott heiligt durch seine Menschwerdung die ganze Schöpfung, die wunderbare Artenvielfalt, unsere Mitwelt, für die wir Verantwortung tragen.

Musik:

Jesse Lepkoff/Flöte: „Fulfilment“
Label: Warner Classics & Jazz WCJ2564694150