Weihnachten auf der Flucht

Weihnachten auf der Flucht! Für viele von uns unvorstellbar! Und dennoch, eine Familie auf der Flucht ist Teil der Weihnachtsgeschichte.

Gedanken für den Tag 23.12.2017 zum Nachhören:

Josef hört des Nachts die Stimme Gottes: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; (...) denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten“ (Mt 2,13-14). So lesen wir im Evangelium des Matthäus.

Erwin Kräutler
war lange Zeit katholischer Bischof der brasilianischen Diözese Xingu

Würde, Angst und Freiheit im fremden Land

Für so viele Menschen ist Weihnachten nicht „Stille Nacht, heilige Nacht“ mit Christbaum und Geschenken. Nein! Menschen in Not und Elend verlassen ihre Heimat und fliehen in ein unbekanntes Land mit fremder Sprache, mit anderen Sitten und Bräuchen. Nicht als Touristen sind sie unterwegs. Sie wollen in ein Land ohne Krieg, ohne Verfolgung. Auf gefahrvollen Überfahrten und in endlosen Fußmärschen riskieren sie ihr Leben. Quälende Angst, beißende Ungewissheit, tagelang Hunger und Durst, karge Schlafstätten, Schutzlosigkeit und Gefahr. All dies nehmen sie in Kauf. Sie wollen nichts anderes als überleben. Leben in Frieden und Freiheit.

Und auch diesen Menschen gilt die Frohe Botschaft der Weihnacht. In allen Flüchtlingen ist Jesus selbst auf der Flucht seit jener schrecklichen Nacht in der er plötzlich aus dem Schlaf geweckt nach Ägypten fliehen muss, um einem grausamen Tyrannen zu entkommen. In allen Eltern, die mit ihren Kindern weinend und wehklagend ihre Heimat verlassen müssen, um einer ungewissen Zukunft entgegen zu gehen, klagen Maria und Josef und bangen um ihr Leben und das Leben ihrer Kinder. Und geben dennoch die Hoffnung nicht auf, irgendwann und irgendwo in einem anderen Land frei, in Würde und ohne Angst leben zu dürfen.

Musik:

Empire Brass Quintett: „O come, o come Emmanuel“, bearbeitet von Rolf Smedvig
Label: Telarc CD 80416