Apostel der Caritas

Am Festtag des Hl. Severin von Norikum erklärt Wolfgang Palaver warum für ihn nicht die wörtliche Bedeutung dieses Namens – der Strenge – bedeutsam ist, sondern Severins Einsatz für die Menschen in Not, die ihn zu einem Apostel der Caritas werden ließ.

Morgengedanken 8.1.2018 zum Nachhören:

Die katholische Kirche feiert heute den Festtag des Heiligen Severin, der vor allem in Oberösterreich eine wichtigere Rolle spielt und deshalb auch der zweite Diözesanpatron der Diözese Linz ist. Gleich zwei Kollegen mit dem Vornamen Severin fallen mir in Oberösterreich ein. Ihnen und allen anderen Severins wünsche ich einen gesegneten Namenstag.

Wolfgang Palaver
ist Sozialethiker an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck

Völkerwanderung

Mit der wörtlichen Bedeutung des Namens Severin, der seine Wurzel im Lateinischen hat und „der Strenge“ bedeutet, kann ich eher wenig anfangen. Zu lange wurde das Christentum vor allem mit moralischer Strenge identifiziert und es überrascht daher nicht, dass ich in einem älteren Heiligenlexikon allein 20 verschiedene Heilige mit diesem Namen fand. Barmherzigkeit und Nächstenliebe sind mir wichtiger als die Strenge.

Severin von Norikum ist aber gerade auch in dieser Beziehung nachahmenswert. Als Laienmönch lebte er im 5. Jahrhundert – also zur Zeit der Völkerwanderung – in der römischen Provinz Norikum, dem Gebiet zwischen Passau und Wien. Er vermittelte zwischen der ansässigen römischen Bevölkerung und den aus dem Norden und Osten andrängenden Germanen. Dabei half er vor allem den unter den Kriegswirren leidenden Menschen und bemühte sich um die Integration der Einwanderer. Seine Sorge um Menschen in Not erklärt, warum er auch als Apostel der Caritas verehrt wird.