Politik und Religion

Wolfgang Palaver blickt auf den vergangenen Wahlkampf zurück und erklärt, warum er den österreichweiten Kampf gegen den politischen Islam für wenig sinnvoll hält.

Morgengedanken 12.1.2018 zum Nachhören:

Ein Moment hat mich am Wahlkampf im vergangenen Herbst wirklich geärgert. Es war der in fast allen politischen Lagern hörbare Kampf gegen den „politischen Islam“, der fast zum wichtigsten gesellschaftlichen Anliegen Österreichs hochstilisiert wurde. Natürlich gibt es so wie in allen weltanschaulichen Lagern auch im Islam Fundamentalisten, die ich nicht unterstützen will. Aber bedeutet die Absage an den „politischen“ Islam, dass nur ein in die Privatsphäre verbannter Islam für Österreich tragbar wäre?

Wolfgang Palaver
ist Sozialethiker an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck

Gutes Miteinander

Seit meiner Jugend habe ich mich für ein politisches Christentum eingesetzt, nicht als kirchliches Engagement für eine politische Partei – dagegen sprechen dunkle Flecken in der Geschichte der katholischen Kirche Österreichs, – sondern als politisches Engagement aus dem Glauben. Die großen Weltreligionen haben ein Recht und sogar die Pflicht, öffentlich an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Natürlich dürfen dazu keine staatlichen Zwangsmittel eingesetzt werden.

Für die Zukunft Österreichs ist es viel besser, wenn wir uns um ein gutes Miteinander mit den bei uns lebenden 700.000 Muslimen bemühen. Statt uns vom Zerrbild „politischer Islam“ abzusetzen, könnten wir in diesem Jahr einmal muslimische Nachbarn zu uns nach Hause einladen. Das mag nur ein kleiner Schritt sein. Er würde uns dennoch alle ein großes Stück in Richtung eines respektvollen Miteinanders weiterbringen.