Barbe Acarie

Aus dem frühen Mittelalter springen wir ins Jahr 1618, in dem eine bemerkenswerte Frau ihr Leben ließ: Barbe Acarie, 52 Jahre zuvor als Barbe Avrillot in die Familie eines hohen Finanzbeamten Frankreichs geboren.

Gedanken für den Tag 18.1.2018 zum Nachhören:

Für diese Zeit fließen die Quellen naturgemäß ergiebiger, was die Sache nicht einfacher macht: Verstärkt tritt damit die Mehrdeutigkeit alles Geschehens vor Augen - auch die Ambivalenz des Religiösen, wo das Hehre und Obskure, das Konstruktive und Destruktive oft eng beieinander liegen. Das demonstrierte Frankreich damals überdeutlich. Barbe musste miterleben, wie die Elite des Landes sich in bewaffneten Religionsfehden zerfleischte. Ihr Vater wie ihr Ehemann waren unheilvoll darin verstrickt. Barbe selbst aber steht an der Wende in eine Zeit, die wieder auf die positiven Energien von Religion setzte.

Rupert Klieber
ist Kirchenhistoriker an der Universität Wien

Musikalisches Denkmal

Für höhere Töchter wie sie standen damals zwei Wege offen: eine frühe standesgemäße Heirat oder Klostermauern. Es ist schon bemerkenswert, dass sie beide Wege beschritt, erst recht aber das Wie. Sie pflegt Opfer einer Pestepidemie von 1580 und Verwundete des Religionskrieges ab 1589, kümmert sich um Prostituierte. Eine ihr aufgenötigte Verbindung gerät zur großen Liebesehe, der sechs Kinder entsprießen. Zugleich ist sie als Gast- und Ratgeberin Motor eines religiösen Zirkels, der das Ordenswesen Frankreichs in eine spirituell vertiefte, aber auch aktiv-soziale Richtung lenkt.

Aus Italien holt man die junge Frauengemeinschaft der Angela Merici ins Land; erst hier werden daraus die Ursulinen mit ihrem beachtlichen Schuleinsatz für Mädchen. Aus Spanien importiert wird aber auch der Karmel der Mystikerin Theresa von Avila, der sich allein der Kontemplation widmet. Francis Poulenc wird dieser Gemeinschaft und der Kraft ihres Gebetes noch 1957 mit der Oper „Dialog der Karmeliterinnen“ ein wuchtiges musikalisches Denkmal setzen.

Musik:

Orchestre de l’Opéra de Lyon unter der Leitung von Kent Nagano: „Vorspiel zum 2. Bild“ aus: DIALOGUES DES CARMÉLITES / Oper in 3 Aufzügen und 12 Szenen / Gesamtaufnahme / 2. Akt 2. Teil, 3. Akt von Francis Poulenc
Label: Virgin 7592272 (2 CD)