Weiter Weg zum gemeinsamen Abendmahl

Das im vergangenen Jahr gefeierte Reformationsjubiläum hat neue Hoffnungen auf ein gemeinsames gottesdienstliches Abendmahl von Evangelischen und Katholiken geweckt. Die offizielle Zulassung konfessionsverschiedener Ehepaare zur katholischen Eucharistie könnte ein erster Schritt sein.

Zwischenruf 21.1.2018 zum Nachhören:

Spitzenvertreter der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland haben Erwartungen in diese Richtung neue Nahrung gegeben. Sie sehen sich durch Signale ermutigt, die Papst Franziskus ausgesandt hat.

Ulrich H.J. Körtner
ist Professor an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien

Etikettenschwindel?

Der katholische Kölner Erzbischof Kardinal Woelki hat der ökumenischen Euphorie freilich einen gehörigen Dämpfer erteilt. In einem Beitrag, der im Oktober vergangenen Jahres erschien, hat er vor Etikettenschwindel in strittigen Fragen gewarnt und die Möglichkeit eines gemeinsamen Abendmahls in weite Ferne gerückt. Ohne die Einheit im Bekenntnis des Glaubens könne es keine Zulassung zur Eucharistie geben, auch nicht für evangelische Ehepartner in einer konfessionsverschiedenen Ehe.

Gar nichts hält der Kölner Erzbischof von der Idee der eucharistischen Gastfreundschaft. Der Begriff wecke die abwegige Vorstellung, nicht Christus, sondern eine Konfessionsgemeinschaft würde einladen. Woelki wörtlich: „Christusbekenntnisse, die getrennte Kirchen bedingen, werden nicht durch einseitige oder wechselseitige Gastfreundschaft, sondern durch Bekehrung aller Beteiligten zu Christus versöhnt.“

Zwischenruf
Sonntag, 21.1.2018, 6.55 Uhr, Ö1

Erwartungsgemäß ließ die Kritik katholischer und evangelischer Ökumeniker an Woelki nicht lange auf sich warten. Und viele katholische und evangelische Christen scheren sich schon längst nicht mehr um theologische Lehrsätze und Verbote. Sie gehen nicht nur gemeinsam zum evangelischen Abendmahl, zu dem alle Getauften seit Jahrzenten offiziell zugelassen sind, sondern auch zur katholischen Eucharistie, und viele katholische Priester billigen dies, ohne genauer nachzufragen.

Prüfstein Hochgebet

Dagegen hat sich kurz vor Weihnachten Jan-Heiner Tück, Dogmatikprofessor an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien gewandt. In sieben Thesen argumentiert er, statt einer pauschalen Zulassung konfessionsverschiedener Paare wäre eine einzelfallbezogene Prüfung durch den zuständigen Priester der bessere Weg. Auch moniert er, dass das Verständnis des Abendmahls im Spektrum der evangelischen Kirchen keineswegs überall gleich sei. Tück wendet sich – ich meine zu Recht – gegen die Tendenz, die Eucharistiefeier lediglich als „Gemeindepicknick“ zu verstehen und dabei die Frage nach der Gegenwart Christi und dem Bezug zu seinem Tod am Kreuz zu vernachlässigen.

Wie Kardinal Schönborn sieht Tück ein entscheidendes Kriterium für die Zulassung von Nichtkatholiken zur katholischen Eucharistiefeier darin, ob sie über das gemeinsame Glaubensbekenntnis hinaus auch das eucharistische Hochgebet innerlich mitbeten können. Wer das tut, der betet und feiert nun freilich nicht nur mit der anwesenden Gemeinde, sondern auch in der Gemeinschaft mit dem katholischen Ortbischof und dem Bischof von Rom, der als „unser Papst“ bezeichnet wird. Mit den Worten des Hochgebetes bekennt man sich zu Verehrung Marias als allzeit jungfräulicher Gottesmutter und aller Apostel, Märtyrer und Heiligen, um deren himmlische Fürsprache Gott gebeten wird.

Keine Lösung in Sicht

Ich muss gestehen, das kann ich nicht, und über evangelische Christen, die von Papst Franziskus, weil sie ihn für einen sympathischen Menschen halten und manche seiner Ansichten teilen, öffentlich sagen, er sei auch ihr Papst, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich kann evangelische Männer oder Frauen, die in einer konfessionsverschiedenen Ehe leben, gut verstehen, wenn sie unter dem Zustand leiden, offiziell nicht zur katholischen Messe zugelassen zu werden, besonders dann, wenn die gemeinsamen Kinder katholisch getauft sind und im katholischen Glauben erzogen werden. Wer einen persönlichen Weg findet, als evangelischer Christ das Hochgebet ohne innere Vorbehalte mitzubeten, verdient meinen Respekt. Wenn aber die Lösung zur Überwindung der Kirchentrennung darin bestehen sollte, theologische Kompromissformeln zu suchen, die das katholische Hochgebet als gut evangelisch verkaufen wollen, dann wäre das für mich, um mit Kardinal Woelki zu sprechen, ein glatter Etikettenschwindel.