Klagemauer

Manche beten nie, manche tun es in Notsituationen – und manche regelmäßig. Hilft Beten? Nicht unbedingt im Sinne einer Bestellung von konkreten Entwicklungen...

Morgengedanken 24.1.2018 zum Nachhören:

Eine Reporterin beobachtete in Jerusalem einen Mann, der zwei Mal am Tag zur Klagemauer ging, um zu beten. Beim nach Hause Gehen tritt sie zu ihm hin, um ihn zu interviewen.

Richard Pirker
ist römisch-katholischer Pfarrer von St. Peter und St. Modestus in Klagenfurt

Gegen das Elend anreden

„Rebecca Smith, CNN News – Sir wie lange kommen Sie schon hierher, um regelmäßig zu beten?“ – „Seit etwa 50 Jahren“, hört die erstaunte Journalistin. „Und wofür beten sie meistens?“, fragte sie nach. „Vor allem für den Frieden zwischen Juden und Arabern. Für die Beendigung des Hasses, aller Ungerechtigkeit und Gewalt. Damit unsere Kinder endlich in Frieden, Freundschaft und Sicherheit aufwachsen können.“ „Und wie fühlen Sie sich nach 50 Jahren solchen Betens?“ „Als ob ich gegen eine Wand redete!“

In dieser Woche beten wir für die Einheit des christlichen Glaubens. Das Vergebliche gehört zum christlichen Alltag, ist biblischer Urtext, dem religiösen Menschen aufgegeben. Was uns als Menschen auszeichnet, ist uns sammeln zu können gegen die Zerstreuung. Plaise Pascal hat das als Mathematikgenie gesagt und Karl Rahner darüber Tiefsinniges geschrieben. Beten heißt, mit beiden Beinen gegen das Elend anreden und sei es gegen eine Wand, und darin dem Geheimnis Gottes auf der Spur bleiben, ihm das letzte Wort lassen.