An Gott denken

Für Richard Pirker ist jeder Ort, jeder Augenblick gut, um an Gott zu glauben, ihm zu begegnen.

Morgengedanken 27.1.2018 zum Nachhören:

„Es wird Zeit, an Gott zu denken“. Dieser Buchtitel von Kardinal Karl Lehmann kommt mir in den Sinn, wenn ich an Thomas v. Aquin (+ 1274) denke, der mit seinem Werk eine geistige Kathedrale schuf und dabei das Denken seiner Zeit mit christlichem Fundament aufbaute.

Richard Pirker
ist römisch-katholischer Pfarrer von St. Peter und St. Modestus in Klagenfurt

Meer der Vielfalt

In der Dominikanerkirche in Friesach gibt es einen Erinnerungsstein: „Hic stabat Thomas - Hier stand Thomas“. Damit wir eine neue Beziehung mit Gott eingehen können, braucht es einen positiven Bezug zur Welt und gleichzeitig eine Innerlichkeit und Bereitschaft, sich ganz an Gott hinzugeben. Der indische Gelehrte Rabindranath Tagore bringt es auf den Punkt: „Im Entsagen Freiheit zu finden, ist mir nicht vorherbestimmt. / In zahllosen Banden verstrickt, kost ich / der Freiheit unsäglich Entzücken.“ „Die Wüste ist meine Kathedrale“.

Das gilt auch für die Betonwüste hier in jenem Stadtteil, wo ich wirke, wo ich aufmerksam machen möchte auf die Blume, die mitten im Beton das Leben kündet, von jener muslimischen Kinderstimme, die sich beim Fußball nach Schimpfwörtern bedient und hernach zweimal ehrlich entschuldigt. Im Meer der Vielfalt den Nektar des Lebens kosten und darin Gott danken. „Es gibt nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein“ (I. Bachmann) und mitten darin Gottes Gegenwart heimlich zu grüßen.