Dietrich Bonhoeffers Kirchenkampf

Heute hat Dietrich Bonhoeffer Geburtstag. Der evangelische Pfarrer und Märtyrer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Gestorben ist er am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg. Ermordet von der SS.

Zwischenruf 4.2.2018 zum Nachhören:

Früh schon wehrte sich der Pfarrer gegen die Nationalsozialisten. Bereits am 1. Februar 1933 hielt Bonhoeffer den Radiovortrag „Wandlungen des Führerbegriffes“. Er forderte eine Begrenzung totaler Machtfülle des Kanzleramtes durch rechtsstaatliche Ordnung. Das war zwei Tage nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland. Damit ging der Kampf Bonhoeffers gegen das Nazi-Regime aber erst los. Der sogenannte Kirchenkampf begann.

Marco Uschmann
ist evangelisch-lutherischer Pfarrer und Chefredakteur der „Saat“

Recht zum Tyrannenmord?

Im September 1933 durften nur noch sogenannte Arier in der Kirche als Pfarrer arbeiten. Bonhoeffer schlug einen Beerdigungsstreik vor, scheiterte aber. Dann wollte er oppositionelle Pfarrer zum Austritt aus der Deutschen evangelischen Kirche bringen, deren Verfassung er nun als Irrlehre ansah. Er fand jedoch noch so gut wie keine Zustimmung für eine Kirchenspaltung.

Daraufhin gründete Bonhoeffer mit anderen den Pfarrernotbund zum Schutz der bedrohten Amtsbrüder jüdischer Herkunft. Daraus wurde später die sogenannte Bekennende Kirche, die sich gegen die von den Nazis gleichgeschalteten Deutschen Christen wandte. Er bildete im Untergrund Pfarrer aus, er reiste ins Ausland, um internationale ökumenische Kontakte zu knüpfen gegen die Nazis. Er ging – als alles nichts half – auch in den Untergrund und arbeitete mit den Attentätern vom 20. Juli 1944 zusammen, die Hitler töten wollten. Für einen Pfarrer ein großer Schritt, lange hat er überlegt, diskutiert mit anderen Theologen über den Tyrannenmord, über das Recht zum Widerstand, über die Pflicht zum Widerstand.

Pflicht zum Widerstand

Theologisch hat er so manches neu gedacht und war dabei doch wieder ganz klassisch: Er stellte Jesus Christus in die Mitte seines Denkens und Handelns. Damit wandte er sich gegen die Zwei-Reiche-Lehre Martin Luthers, die Jahrhunderte Bestand hatte. Deutlich schreibt der lutherische Pfarrer in seiner Ethik: „Die Welt gehört zu Christus und nur in Christus ist sie, was sie ist. Sie braucht darum nichts Geringeres als Christus selbst. […] Seit Gott in Christus Fleisch wurde und in die Welt einging, ist es uns verboten, zwei Räume, zwei Wirklichkeiten zu behaupten: Es gibt nur diese eine Welt.“

Zwischenruf
Sonntag, 4.2.2018, 6.55 Uhr, Ö1

Und so hat der Breslauer Pfarrer auch gelebt. Für ihn hat sein Leben aus Christus gesellschaftliche und persönliche Konsequenzen. Er konnte gar nicht anders, als im Sinne Jesu Widerstand zu leisten gegen das unmenschliche verbrecherische Regime der Nazis. Wir leben heute, Gott sei Dank, in anderen Zeiten.

„Führer, die sich selbst vergotten...“

Und dennoch. Ich denke, das gesellschaftliche Klima verändert sich gerade nicht zum Besseren. Jedem von uns werden Beispiele für meine Vermutung einfallen. Mag sein, der eine oder die andere spricht von Einzelfällen. Mir persönlich werden das aber zu viele, um es noch Einzelfälle zu nennen. Widerstand ist geboten, wenn die Menschlichkeit unter die Räder kommt. Die Bibel nennt das Nächstenliebe. Das Beispiel Bonhoeffers zeigt, wozu der Glaube befähigen und welche Kraft Gott in einem Menschen entfalten kann. Ich bewundere das.

Der Radiovortrag Bonhoeffers zwei Tage nach Machtergreifung der Nazis im Jänner 1939 wurde übrigens abgebrochen. Er sagte gerade: „Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes.“