70 Jahre Israel

In wenigen Wochen wird Israel 70 Jahre alt. Doch bereits 1948, in seiner Geburtsstunde, war es auch schon tausende Jahre alt, Zion eine Verheißung und Jerusalem eine Sehnsucht.

Gedanken für den Tag 6.2.2018 zum Nachhören:

Wie kann eine junge Nation diese Erwartungen einlösen? Ein Staat, in dem traumatisierte Überlebende aus dem Holocaust eine Zuflucht fanden, ein Staat, umgeben von Feinden, die ihm das Selbstverständlichste, nämlich sein Existenzrecht, bis heute streitig machen? Nicht nur gemessen an diesen hohen Ansprüchen und den gleichzeitig ungünstigen politischen Bedingungen ist Israel eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Anita Pollak
ist Journalistin

Nationalspeise Schnitzel

Und diese verdankt sich nur seinen Menschen, denn der schmale Landstrich zwischen Meer und Wüste war heiß, unwirtlich und unfruchtbar. Einwanderer, die nichts hatten und nichts vorfanden, haben ihn zum Blühen gebracht, eine Tatsache, die mittlerweile zum Gründungsmythos zählt, genauso wie die Sabres. So nannte man in der Pionierzeit bewundernd die im Land geborenen Menschen. Außen stachelig und innen süß wie die Früchte der Kakteen, so soll sie gewesen sein, diese starke Jugend der Aufbaugeneration.

Bei meinen ersten Besuchen in den 60er Jahren konnte man auf den Straßen noch Jiddisch hören, die Sprache der Ost-Juden, die Sprache der Ghettos. Man hörte auch oft noch Deutsch, sogar Wienerisch, und es gab mehrere deutsche Zeitungen. Bis heute künden Begriffe wie „Schlafstunde“, Aufschriften wie „Zimmer“ an Frühstücks-Pensionen oder Schnitzel, das Israelis ohnehin für ihre Nationalspeise halten, vom Einfluss der „Jeckes“. So nannte man, damals eher spöttisch, die deutschstämmigen Juden, denen man übertriebenen Ordnungssinn und Pünktlichkeit nachsagte. Heute ist „Jecke“ fast ein Ehrentitel, mit dem sich sogar noch die Nachfahren dieser Einwanderer schmücken. Ein eigenes „Jeckes-Museum“ pflegt liebevoll deren kulturelles Erbe. Es kann sich übrigens der vielen, vielen Laufmeter Goethe, Schiller und Heine aus den Verlassenschaften der Jeckes kaum erwehren.

Buchhinweis:

Ben & Daniela Segenreich, „Fast ganz normal. Unser Leben in Israel“, Verlag Amalthea 2018

Musik:

Netania Davrath/Sopran: „Roshinkes mit Mandlen“ aus der Operette „Sulamit“ von Abraham Goldfaden
Label: Vanguard 08600471