Arbeiten und aufatmen

Wie an jedem Samstag feiern Jüdinnen und Juden in aller Welt heute Sabbat, den Ruhetag. Sechs Tage wirst du arbeiten und all dein Werk verrichten, lese ich dazu im Buch Exodus der Bibel; aber der 7. Tag ist ein Sabbat dem Ewigen, deinem Gott.

Gedanken für den Tag 17.2.2018 zum Nachhören:

Da wirst du keinerlei Werk verrichten, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und dein Fremdling, der in deinen Toren wohnt. Denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde geschaffen, das Meer und alles, was darin ist; aber am 7. Tag hat er geruht; darum hat der Ewige den Sabbattag gesegnet und ihn geheiligt.

Menschliche Freiheit

Im biblischen Buch Genesis gehört diese Ruhe des Ewigen am 7. Tag sogar noch zum göttlichen Schöpfungswerk. Dort heißt es: Am 7. Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am 7. Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte. An einer anderen Stelle des Buchs Exodus heißt es: Am 7. Tag ruhte Gott und atmete auf.

Franz Josef Weißenböck
ist katholischer Theologe und Autor. Das Buch „Credo“ ist im Verlag Va bene erschienen.

Arbeiten und aufatmen – ein Kontrast, der durch die moderne Arbeits- und Lebensweisen in Vergessenheit zu geraten droht. Es gilt ein durchgängiges Leistungsprinzip, ja ein allgegenwärtiger Leistungsdruck. Erst die Arbeitsleistung, dann die Erholungs-, Vergnügungs-, Urlaubs- und Erlebnis-Leistung. Keine Zeit mehr für Aufatmen oder auch nur genießen, denn selbst der Genuss wird zur Leistung. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat Harvey Cox die Verkümmerung der Fähigkeit zur festlichen Ruhe darauf zurückgeführt, dass der Mensch in der modernen Welt auf seine Existenz als Arbeiter und als Denker reduziert sei. Diese Sicht sei von der Industrialisierung verstärkt, von der Philosophie bestätigt und von den Kirchen gerechtfertigt worden, meint Cox.

Die Ruhe, das Aufatmen, das Zu-Sich-Kommen des Menschen als Kontrast zum Betrieb, zum dauernden Funktionieren, zum ständigen Online-Sein läuft Gefahr zu verschwinden.

Im Buch Deuteronomium wird die Sabbatruhe so begründet: Du wirst gedenken, dass du Knecht warst im Lande Mizraim, und dass der Ewige, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat.

Ausruhen, aufatmen, genießen – es geht dabei schlicht um die menschliche Freiheit.

Musik:

The English Concert unter der Leitung von Trevor Pinnock: „Kanon“ aus: „Kanon und Gigue in D-Dur für 3 Violinen und B.c.“ von Johann Pachelbel
Label: DG 4194102