„Sechs Tage - sechs Rufe“

Vor 75 Jahren wurden Hans und Sophie Scholl hingerichtet. Eine weiße Rose gilt als Symbol einer unbefleckten und heilbringenden Zukunft, des Neuanfangs und des guten Wandels in der Welt.

Gedanken für den Tag 19.2.2018 zum Nachhören:

Es waren sechs Flugblätter, mit denen eine Gruppe junger Menschen im Sommer 1942 und im Februar 1943 zum Widerstand gegen die Diktatur des verbrecherischen Nationalsozialismus aufrief. Ihre Mitglieder wurden mit dem Tod durch das Fallbeil bestraft. Diese Gruppe hat unter dem Namen Die weiße Rose einen festen Platz in unserem Nachkriegsgedächtnis. Zum inneren Kreis, der sich in München zusammengefunden hatte, gehören die Medizinstudenten und Sanitätsfeldwebel der Wehrmacht Hans Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst und Willi Graf sowie der Philosophie-Professor Kurt Huber.

Hubert Gaisbauer
ist Publizist

„Leistet Widerstand...“

Die Ikone der Weißen Rose ist das nachdenkliche Gesicht der Sophie Scholl. Ihr charismatisch und idealistisch gesinnter Bruder Hans war die geistige Triebfeder der Gruppe. Während seiner Frontfamulatur in Russland notiert Hans Scholl im August 1942 in seinem Tagebuch: „Dass die Menschen gerade das nicht sehen, was sie zu Menschen macht: die Hilflosigkeit, das Elend, die Armut!“

Gemeinsam mit seinem Studienkollegen und Freund, dem russisch-deutschen Alexander Schmorell, verfasst er im Sommer 1942 die ersten vier Flugblätter der Weißen Rose. Schlicht auf Schreibmaschine getippt und mit einem Vervielfältigungsapparat abgezogen wurden sie per Post an etwa 100 ausgewählte Adressaten im Raum München geschickt, an Akademiker, Intellektuelle, Multiplikatoren. Mit langen Zitaten von Schiller und Goethe sollten sie die Zivilgesellschaft daran erinnern, dass ein Land der Dichter und Denker Widerstand zu leisten hätte gegen Willkür, Verbrechen und Mitläufertum. Jedem Einzelnen gilt im ersten Flugblatt die Aufforderung: „Leistet Widerstand wo immer Ihr auch seid, ….ehe es zu spät ist,…Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt!“

Musik:

Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt: „Adagio - 2. Satz“ aus: „Brandenburgisches Konzert Nr. 1 in F-Dur BWV 1046“ von Johann Sebastian Bach
Label: Teldec 842823