Kritik an Fragen zu Bibelwissen in Asylverfahren

Themen: Bibelwissen im Asylverfahren – Kritik aus der evangelischen Kirche, Gemeinsam für verfolgte Christen - Russisch-orthodoxe und katholische Kirche ziehen an einem Strang und Sufismus in Pakistan.

Bibelwissen im Asylverfahren – Kritik aus der evangelischen Kirche

In evangelischen Gemeinden wurden im vergangenen Jahr 2017 österreichweit 209 Asylwerber bzw. Asylberechtigte getauft. Doch diesen werde von Behördenseite oft Misstrauen entgegen gebracht: Es könnte sich hier um eine bloße „Scheinkonversion“ handeln, um in einem etwaigen Asylverfahren vielleicht bessere Karten zu haben. An den Glaubensfragen im Asylverfahren wurde in der evangelischen Kirche Kritik laut.

Sendungshinweis

Praxis - Religion und Gesellschaft, Mittwoch, 21.2.2018, 16.05 Uhr, Ö1

Es gehe dabei zu wenig um die tatsächliche Glaubenspraxis der frisch gebackenen Christen und Christinnen, stattdessen würden sehr, sehr anspruchsvolle Wissensfragen nach theologischen Inhalten gestellt, moniert etwa Oberkirchenrat Karl Schiefermair, Mitglied des höchsten Leitungsgremiums der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich.

Wenn jemand dabei nicht gut genug abschneide, dann habe das auch schon zur Unterstellung der „Scheinkonversion“ geführt. Die Entscheidungen der Pfarrerinnen und Pfarrer, die die Taufe ja gespendet haben, würden im Asylverfahren nicht ausreichend ernstgenommen werden, so Schiefermair. Julia Wötzinger hat Stimmen, Kritik und Lösungsvorschläge gesammelt.

Gemeinsam für verfolgte Christen - Russisch-orthodoxe und katholische Kirche ziehen an einem Strang

Es war ein historischer Moment am Flughafen von Havanna: Vor zwei Jahren sind Papst und Patriarch, Franziskus und Kyrill, zum ersten Mal in der Geschichte zusammengetroffen. Im erzbischöflichen Palais in Wien wurde kürzlich daran erinnert - mit einem Symposion, hochkarätig besetzt mit Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und Metropolit Hilarion, Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats.

Thematischer Schwerpunkt waren die gemeinsamen Anstrengungen, den verfolgten Christinnen und Christen im Nahen Osten zu helfen. Trotz aller immer noch bestehenden theologischen Differenzen, - darin sind sich die beiden Großkirchen einig: Den Menschen muss geholfen werden und das Christentum muss in dieser Region weiterhin beheimatet sein. - Gestaltung: Martin Gross

Sufismus in Pakistan

Die Mystik nimmt im Islam einen Stellenwert ein, der oft unterschätzt wird, weil politische Entwicklungen und Konflikte zu wenig Raum für Spiritualität lassen, aber auch, weil eine konservative Theologie dominiert. Parallel dazu haben sich jedoch alternative Formen der Gottesverehrung entwickelt, oft in volkstümlicher Ausprägung: Islamische Mystiker - nach ihrer schlichten Wollkleidung „Sufis“ genannt - schlossen sich vor rund einem Jahrtausend zu spirituellen Orden zusammen. Heute zeigt der Sufismus vielfältige Ausdrucksformen, sowohl tolerante als auch militante.

Buchhinweise

  • Jürgen Wasim Frembgen, „Das Rätsel des Pfeils - Begegnungen mit Sufi-Meistern“, Waldgut-Verlag
  • Literarisches Reise-Buch, Jürgen Wasim Frembgen, „Sufi-Tonic. Unterwegs in Pakistan und Indien“, edition-tethys

Ein Beispiel dafür ist Pakistan, wo Gläubige aller Religionen zur Zielscheibe von Extremisten werden. Es kommt zu Angriffen auf christliche Kirchen, wie Ende 2017 in der Stadt Quetta, aber auch muslimische Heiligtümer und Sufi-Schreine wurden zum Ziel blutiger Anschläge. Der deutsche Ethnologe und Islamwissenschaftler Jürgen Wasim Frembgen ist vor kurzem aus Pakistan zurückgekehrt. Er hat mehrere Bücher zum Sufismus verfasst. - Gestaltung: Lise Abid

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 21.2.2018 zum Nachhören: