Ein Fest der Freude?

Purim – ein Fest der Freude? Kann man sich denn zu Freude zwingen? Natürlich nicht! Aber man könnte sich zwingen offen zu sein und sich freuen - wenn andere sich freuen – oder?

Gedanken für den Tag 27.2.2018 zum Nachhören:

Angenommen Sie sind heute seelisch in einem tiefen dunkelgrauen Loch. So wie unsere Altvorderen es in babylonischer Zeit waren, als der Judenhasser Haman allen Juden Vertreibung und Folter androhte. Und dann passierte das unerwartete: Eine Frau – bitte, wer sonst? - eine schöne Frau – Esther - tötete den Machthaber und rettete damit ihr Volk.

Das Vorurteil ist der Krebsschaden

Ja! So war es! Sagen die Frommen bis heute und feiern ein Fest der Freude! Ja! So könnte es gewesen sein, sagen die Unfrommen, aber es ist doch ein Grund zum Feiern. Ja, seufzen die Depressiven. Also gut! Wenn alle feiern, kann ich nicht absagen.

Topsy Küppers
ist Schauspielerin und Autorin. Am 4. März gastiert sie mit ihrer Erich Kästner-Revue im Langenzersdorf Museum.

Wie immer die Reaktionen zu Purim sind – man sagt dazu gerne - Ja! Also sagen wir Ja zum Lachen! Ich meine das herzliche, offene Lachen. Über eine gelungene Maske beim Purimfest. Oder beim Tanzen und Singen. Sagen wir Ja zur Freundschaft, denn Freundschaft ist die Krönung einer wunderbaren Haltung. Sagen wir Ja zur Liebe! Es gibt im Leben keine besseren Erfahrungswerte als die Höhen und Tiefen der Liebe. Und da wir schon bei der Liebe sind, es heißt doch: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst!“ Oje, wenn ich meine Nächsten in der U-Bahn, oder die Politiker im Fernsehen sehe, fällt mir das Lieben verdammt schwer.

„Hier stehe ich – ich kann nicht anders!“, soll Martin Luther vor Kaiser und Papst geäußert haben. Er konnte nicht anders und so sprang die Kröte aus seinem Mund in seine Feder und er verfasste widerliche Pamphlete gegen die Juden, obwohl er, wie man liest, niemals persönlich mit jüdischen Menschen in Kontakt kam. Das ist das Vorurteil. Das Vorurteil ist der Krebsschaden unserer Gesellschaft. Damals wie heute.

Zunächst einmal sollte man Ja sagen, auch dann, wenn einem nicht nach Ja zu Mute ist. Was soll ich auf diesem lächerlichen Kostümfest Purim?, flüstert ihr Vorurteil. Der Lärm, das Gerede und Getue. Sie haben ja recht, aber wie es der Zufall will – fällt ihnen etwas zu oder jemand, zu dem sie gerne JA sagen.

Musik:

Sharon Brauner und Daniel Zenke: „Sheyn vi di levone“ von Joseph Rumshinsky und Chaim Tauber
Label: Sony 88765444062 / Solo Musica