Blasphemie und Antisemitismus

Themen: Imam Chalghoumi gegen Antisemitismus; Blasphemie im Iran; Kirche und Demokratie

Imam Chalghoumi gegen Antisemitismus

Der französische Imam Hassen Chalghoumi kämpft seit Jahren gegen religiösen Extremismus und Antisemitismus. Als Initiator des „Marsches der Muslime gegen den Terror“ reist er mit rund 60 muslimischen Geistlichen an europäische Orte des Terrors. „Wir dürfen den Islam nicht Barbaren und Mördern überlassen“, so Imam Chalghoumi. In seiner französischen Gemeinde Drancy und auch international sucht er den Austausch zwischen der muslimischen und der jüdischen Bevölkerung und tritt gegen Antisemitismus ein. Sein Engagement für Menschlichkeit und Frieden, wie er es nennt, bringt ihm unter Muslimen auch harsche Kritik ein. Er steht unter Polizeischutz. Im Rahmen der internationalen Antisemitismus-Konferenz war er zu Besuch in Wien. Im Interview mit Julia Wötzinger spricht er über seine Schritte und Forderungen, um die Beziehung zwischen der muslimischen und der jüdischen Bevölkerung Frankreichs zu verbessern und über die Verantwortung von sozialen Netzwerken. - Gestaltung: Julia Wötzinger.

Blasphemie im Iran: Die Mullahs und der Zorn Gottes

Blasphemie - das ist in islamischen Ländern alles andere als ein Kavaliersdelikt. Zum Beispiel in Saudi-Arabien. Der Blogger und Internetaktivist Raif Badawi hatte erklärt, dass Muslime, Christen, Juden und Atheisten gleichwertig seien. 2014 wurde er zu tausend Peitschenhieben verurteilt, dazu zehn Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe wegen „Beleidigung des Islam“. Die Anklage forderte sogar Badawis Hinrichtung wegen „Abfalls vom Islam“.

Praxis
Mittwoch, 28.2.2018, 16.05 Uhr, Ö1

Auch im Iran ist Blasphemie ein ernstes Thema. Die Künstlerin Parastou Forouhar, die seit 22 Jahren in Deutschland lebt, wurde im vergangenen November vor einem Gericht in Teheran wegen angeblicher Gotteslästerung angeklagt. Ihr wird vorgeworfen, ihre Kunst sei blasphemisch und sie richte sich gegen die Islamische Republik.

Die Vorwürfe sind besonders pikant, weil die Eltern von Parastou Forouhar beide angesehene Reformpolitiker waren. Sie wurden 1998 von Agenten des iranischen Geheimdienstes ermordet, was der Iran inzwischen sogar zugegeben hat.

Nun soll aus der Tochter der Ermordeten - Parastou Forouhar - eine Täterin gemacht werden, indem man sie der Blasphemie anklagt. Und das ist nur ein Beispiel, wie Vorwürfe der Blasphemie dazu dienen, kritische Intellektuelle im Iran stumm zu machen. - Gestaltung: Werner Bloch

Kirche und Demokratie - ein Lernprozess

Es ist schon ein besonderer Ort für ein immer noch heikles Thema: Im Bruno Kreisky-Forum (also in der ehemaligen Privatwohnung des legendären Bundeskanzlers) spricht der Erzbischof von Wien und Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, über „Kirche und Demokratie – ein Lernprozess 1918 bis 2018“.

Nach dem Ende des Bündnisses von „Thron und Altar“ mit der Auslösung der Monarchie setzte die katholische Kirche ganz auf die christlich-soziale Partei. Der Priester-Politiker – besonders Prälat Ignaz Seipel als Bundeskanzler – wurde zur Personifizierung des „politischen Katholizismus“. Doch in der Zweiten Republik wurde noch lange der Grundsatz proklamiert: „Katholiken wählen Katholiken“.

Als die Feindschaft gegenüber der Sozialdemokratie im Februar 1934 zum Bürgerkrieg eskalierte, wurde diese für den jungen Kreisky so prägend, dass er später lieber mit den Freiheitlichen unter Friedrich Peter oder Norbert Steger zusammenarbeiten wollte als mit der Nachfolgepartei der Christlich-Sozialen, mit der ÖVP. - Gestaltung: Markus Veinfurter

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 28.2.2018 zum Nachhören:

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