Das Leben ist doch schön

Pfarrer Bernd Oberndorfer ist als katholischer Krankenhausseelsorger im Landeskrankenhaus Graz tätig. Für ihn gehört es ganz selbstverständlich dazu, über das Leben nachzudenken, über den Tod – und über das Leben nach dem Tod.

Morgengedanken 10.3.2018 zum Nachhören:

Am Krankenbett darf man nur sagen, was man wirklich denkt. Alles andere entlarvt sich ohnehin. Ich erinnere mich an einen Patienten, Anfang zwanzig. Ein wunderbarer junger Mensch. Gutaussehend, sportlich, intelligent. Dazu eine tiefe soziale Begabung und er wusste mit der Unbedingtheit seiner Jugend, was richtig ist. Und dieser wunderbare Mensch leidet an einer Krankheit, die er nicht überleben wird.

Pfarrer Bernd Oberndorfer
ist Krankenhausseelsorger im Landeskrankenhaus des Universitätsklinikums Graz und Seelsorger für Krankenhäuser und Pflegeheime in der Steiermark.

Leben nach dem Tod

Ich treffe ihn wieder zu einem Zeitpunkt, als ihn die Ärzte mit der Wirklichkeit seines nahen Sterbens konfrontiert hatten. Ich sitze einfach bei ihm und er wiederholt eine gute halbe Stunde den Satz: Aber das Leben ist doch so schön. Aber das Leben ist doch so schön. Es ist kein lauter Protest. Trotzdem weiß ich nichts zu antworten. Da stellt er plötzlich die Frage nach dem Himmel. Wir philosophieren über den Himmel. Albern herum. Was wir uns so vorstellen. Theologisch sicher nicht korrekt.

Und plötzlich schaut er mich an und fragt: Du, Pfarrer, glaubst du das wirklich? Das vom Himmel? Das vom Leben? Es war der Ernstfall des Glaubens. Kein Ausweichen möglich. Und ich sage: Ja, ich glaube an dieses Leben.