Die Kreuze sind leer

Heute ist ein besonderer Samstag – der Samstag der Karwoche. Und der hat – laut christlicher Überlieferung – einen besonderen Charakter.

Morgengedanken 31.3.2018 zum Nachhören:

Der Karsamstag beendet die Karwoche. Kara, das ist ein althochdeutsches Wort, das Trauer, Klage bedeutet. Nach den Erzählungen der Bibel liegt der Leichnam Jesu im Grab. Nichts ist mehr zu tun. Stille beherrscht den Tag. Die letzten Rettungsversuche sind gescheitert, die Hoffnungen endgültig begraben, ausgeträumt die Träume, verloren die Sehnsucht, dass doch noch alles gut werden kann. Jesus ist tot.

Luise Müller
ist evangelisch-lutherische Theologin

Ruhe nach dem Sturm

Es ist schwer, loszulassen, was sie mit ihm verbunden hatten. Den Traum von einer guten Welt, die Illusion eines besseren Lebens, die Vorstellung, dass Gerechtigkeit und Liebe sich durchsetzen würden. Und es ist ebenso schwer, das andere loszulassen: die eigene Unzulänglichkeit, die Scham über die alles beherrschende Angst, die Erinnerung an das Versagen, die unseligen Reflexe dessen, der um sich schlägt, weil er in die Enge getrieben wurde.

Am Karsamstag ist nach menschlichen Maßstäben alles aus. Der Höhepunkt der Krise ist überschritten. Die Toten sind begraben, die Kreuze dieser Welt leer. Die Zuschauer haben ihre Handys wieder eingepackt, es gibt nichts mehr zu sehen. Es herrscht Ruhe nach dem Sturm. Doch Gott hat seine Hand immer noch im Spiel.