Neue Türen öffnen sich

Dank E-Mail und SMS ist zwar der Austausch schriftlicher Nachrichten nicht ganz ausgestorben – aber ein Brief, ein richtiger Brief mit Briefmarke, ist doch zur absoluten Seltenheit geworden.

Morgengedanken 5.4.2018 zum Nachhören:

Im vergangenen Jahr habe ich einen Brief bekommen, der mich sehr bewegt hat. Er stammt von einem Mann, der wieder in die Kirche eingetreten ist. „Ich habe mich“, so schreibt er, „… seit ein paar Jahren immer wieder und immer mehr gefragt, wie es mit Religiosität und Spiritualität im Rahmen eines ‚superaufgeklärten‘ intellektuellen Lebens steht. In meinen Kreisen gilt Gläubigkeit, wie Sie wissen, ja nicht als ‚in‘.“

Jakob Bürgler
ist römisch-katholischer Priester und Bischofsvikar der Diözese Innsbruck

Österliche Erfahrung

Zu diesen Fragen kommt dann eine zunächst lebensbedrohliche Diagnose. „Sie können sich vorstellen“, schreibt der Mann, „welch ein Schock das für mich und für meine Familie war. Und während dieser schwersten Monate meines Lebens hatte ich mich von etwas und jemandem getragen gefühlt, ohne (wieder) so genau zu wissen, woran ich nun nach einer langen areligiös-intellektuellen Phase meines Lebens glauben soll. Ganz wichtig war auch das Kennenlernen (zufällig?) vieler großartiger Menschen, die innerhalb der Kirche tätig sind.“

Und zum Schluss merkt er an: „Mein ganzes Leben und meine Perspektiven haben sich daraufhin stark verändert.“ „Not lehrt beten“, sagen manche. Nein, es ist viel mehr: Im Inneren entfaltet sich ein Weg. Neue Türen öffnen sich. So wächst Vertrauen und Glauben. Eine österliche Erfahrung.