Samuel und die Stille der Nacht

Sie haben die Zeichen der Zeit gedeutet und den Menschen ihrer Zeit vielfach unbequeme aber notwendige Botschaften vermittelt: die Propheten in der Bibel. Einer von ihnen war Samuel.

Morgengedanken 9.4.2018 zum Nachhören:

In der Stille der Nacht vernimmt der junge Samuel eine Stimme, welche er für jene Elis hält, des alten Tempelpriesters, und er antwortet dem Eli: Hier bin ich!

Dietmar Stipsits
ist röm.-kath. Pfarrer des burgenländischen Seelsorgeraumes Bad Tatzmannsdorf, Bernstein und Mariasdorf

„Schlaf weiter!“

Mich berührt dieses Bild der Berufung des jungen Samuel, das ich im dritten Kapitel des 1. Samuelbuches nachlesen kann. Der in geistlichen Dingen eigentlich erfahrene Eli erkennt auch erst beim dritten Mal, was hier vor sich geht, dass Gott hier am Werk ist. Wenn die Welt sich zum Schlaf und somit zur Ruhe gelegt hat, wenn Stille die heiligen Hallen erfüllt, tritt Gott auf den Plan.

Eli sagt Samuel jedoch nicht: „Bete jetzt ohne Unterlass!“ oder: „Sei wachsam, bis du die Stimme neuerlich hörst!“, nein, Eli rät dem Samuel: „Schlaf weiter, bis du diese Stimme wiederum hörst!“ Tatsächlich erreicht der Ruf nunmehr zum vierten Mal Samuels Ohr oder besser gesagt Samuels Herz, und Samuel antwortet jetzt nicht nur mit seinem „Hier bin ich!“, sondern er versichert der Stimme, dass er hört, zuhört: „Rede, denn dein Diener hört!“ - In der Stille kann ich Gottes Stimme in mir hören.