Andersrum

Seit vielen Jahren hab ich auf den Steinhofgründen in Wien eine meiner „Laufstrecken“. Das ist eine ganz wunderbare Wiesen- und Parkanlage im 16. Bezirk in Wien und hier drehe ich meine Runden.

Gedanken für den Tag 13.4.2018 zum Nachhören:

Ich bin ein Gewohnheitsmensch, auch beim Sport mag ich gewisse Rituale: So laufe ich meine Runden immer gegen den Uhrzeigersinn. Irgendwann hab ich das so begonnen und jetzt ist es halt so. So wie manches im Leben seine feste Richtung hat. Wenn ich in meine Richtung laufe, kenne ich jedes Teilstück, jeden Blickwinkel, jede Biegung – ich weiß, wo ein Baum ganz große Wurzeln in die Erde gräbt, welcher Stein bei Regen besonders rutschig ist, in welcher Kurve ich Acht geben muss, bei welcher Steigung mein Herz beginnt, besonders schnell zu pochen. Wahrscheinlich könnte ich die Strecke sogar mit verbundenen Augen laufen. So gut kenne ich sie - in diese eine Richtung.

Barbara Stöckl
ist Radio- und TV-Moderatorin und Autorin. Ihr jüngstes Buch „Was wirklich zählt“ ist im Amalthea-Verlag erschienen.

Wink des Schicksals

Es war eine ganz spontane Entscheidung, aus dem Nichts geboren, ohne Grund, ohne Notwendigkeit – einfach eine Laune. Letzte Woche entschloss ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, meine wohlbekannte Laufstrecke einmal in der anderen Richtung zu laufen, also im Uhrzeigersinn. Entgegenkommende Läufer haben mich wohl zu diesem Perspektivenwechsel inspiriert. Und - was geschah? Ich entdeckte eine völlig neue Gegend! Nichts, aber auch gar nichts, war mehr so, wie ich es kannte. Ich musste mich völlig neu orientieren, denn bei meinen Steigungen ging es ja jetzt bergab, jede Rechtskurve neigt sich links, und Bäume, Wiesen sehen aus der andern Richtung völlig anders aus.

Ein Wink des Schicksals? Drehen sie ihr Leben einfach einmal um. Sehen sie es von der anderen Seite an. Z.B. mit den Augen eines anderen Menschen, eines Kindes, Partners, Eltern, Chefs. Wenn das zu kompliziert ist, ändern sie einfach die Laufrichtung. Das wird ihnen völlig neue Eindrücke bringen – vielleicht wird sich sogar eine neue Welt auftun!

Musik:

Saint Louis Symphony Orchestra unter der Leitung von Leonard Slatkin: „Morning on the Ranch 1. Satz“ aus: The Red Pony/Gabilan, mein bester Freund - Suite aus der Filmmusik von Aaron Copland
Label: RCA Victor 09026616992