Nie zu spät

Ich mag es, gleich in der Früh eine Runde zu laufen, das übt den Körper und klärt den Geist. Ich laufe nicht schnell, eher bedächtig, schnelles Schritttempo – aber, dass mich der alte Herr überholt, das war einen Moment lang schon ein komisches Gefühl.

Gedanken für den Tag 14.4.2018 zum Nachhören:

Obwohl: was heißt hier schon alt? Unsere Wege kreuzen sich immer wieder, ich bin beeindruckt, mit welcher Leichtigkeit, Disziplin und Freude der Mann täglich seine Runde dreht. „Solange ich mich bewege, habe ich das Gefühl, dass ich am Leben bin!“, hat er mir kürzlich erzählt, 88 Jahre ist er, Beruf, die Karriere, das alles liegt schon einige Zeit zurück - das Laufen wurde sein Lebenselixier!

Barbara Stöckl
ist Radio- und TV-Moderatorin und Autorin. Ihr jüngstes Buch „Was wirklich zählt“ ist im Amalthea-Verlag erschienen.

15 Mal Frühling

Kürzlich las ich vom Inder Fauja Singh, der als erster 100-Jähriger einen Marathon gelaufen ist! Nach dem Tod seiner Frau vor 20 Jahren hat das Laufen ihm geholfen, einen neuen Sinn im Leben zu finden, sagt er. Die Brasilianerin Isolina Campos entschied an ihrem 100. Geburtstag, dass sie doch noch lesen und schreiben lernen wolle. Deshalb besucht sie jetzt einen Alphabetisierungskurs an der Abendschule. Ich bin zu alt? Wofür? In 3 Jahren werden Sie 3 Jahre älter sein, ob Sie nun etwas Neues gelernt haben oder nicht, ein Musikinstrument, eine Sprache, eine Sportart. Menschen, die heute geboren werden, werden im Schnitt um 15 Jahre länger leben als diejenigen, die 1950 geboren wurden. 15 Jahre, 15 Mal Frühlingsbeginn, was machen wir damit? Neu beginnen, neu lieben, neues lernen. Das einzige, das Sie davon abhalten könnte, ist der Gedanke „Dafür bin ich zu alt“, Angst oder Bequemlichkeit.

Goethe schrieb seinen Faust mit 80 Jahren. Michelangelo vollendete die Sixtinische Kapelle mit 71. Der Inder Bholaram Das will mit 100 Jahren seinen Doktortitel machen! Er hat schlechte Augen und wackeligen Gang, aber er meint, er sei noch fit – vor allem im Kopf. Auf der Insel Okinawa im Süden Japans werden die Menschen so alt wie sonst nirgendwo auf der Welt. Alt, gesund und glücklich. Neben Bewegung, gesundem Essen - viel Fisch und Gemüse steht bei ihnen am Speiseplan - gibt es dort noch eine Weisheit: „Ikigai“ nennen es die Bewohner, das bedeutet „etwas zu haben, für das es sich morgens aufzustehen lohnt“. Mögen die 15 gewonnenen Frühlingszeiten von „ikigai“ getragen sein!

Musik:

Atlanta Symphony Orchestra unter der Leitung von Louis Lane: „Buckaroo Holiday“ aus: RODEO - Ballett von Aaron Copland
Label: Telarc 80078