Die vier Himmelsrichtungen

Die vier Himmelsrichtungen sind eines der wesentlichen Orientierungsinstrumente der Kartographie und Ortsbestimmung, neben Längen- und Breitengrad. Die Erforschung der Welt, die Entdeckung unbekannter Gebiete, das Aufsuchen der immer weniger werdenden weißen Flecken auf der Landkarte wären unmöglich gewesen ohne die Windrose.

Gedanken für den Tag 26.4.2018 zum Nachhören:

Wer erstmals mit dem Kompass den Weg zu einem unbekannten Ziel gefunden hat, kann sich als kleiner Columbus fühlen; und wer etwa bei einer ausgedehnten Wanderung den Tageslauf der Sonne verfolgt, ahnt, wie es dereinst den Expeditionsteilnehmern gegangen sein mag. Nord und Süd gelten als Hauptlinie der Orientierung, dafür haben Ost und West mit Orient und Okzident eigene Begriffe – die Gegend, wo die Sonne auf- und untergeht, das Morgen- und das Abendland. Nord und Süd stehen für Erste und Dritte Welt, West und Ost für politische Systeme, woher der Wind weht, entscheidet über Industrie- und Wohnansiedlung.

Reinhard Deutsch
ist Verleger

Unendlichkeit

Es ist ein bedeutsamer Lernprozess, aus der zweidimensionalen Übersicht einer Weltkarte die Gestalt einer dreidimensionalen Weltkugel zu gewinnen. Und die Vorstellung, dass auf der südlichen Halbkugel die Menschen Gegenfüßler sind, also Antipoden, die logischerweise mit dem Kopf nach unten hängen, ist eigentlich viel einleuchtender als die Wahrheit. Das Kreuz des Südens leuchtet nur dem, der den Äquator überquert, während wir uns hier auf unserer nördlichen Halbkugel mit dem Polarstern als Leitlicht begnügen. Wieso eigentlich ist auf der Landkarte Norden immer oben – oder ist das ganz anders? Wo begegnen einander Eisbär und Pinguin – erraten, nur im Tiergarten…

Auf den alten Karten ist die bekannte Welt umgeben von Abgründen, himmlischen und infernalischen Gefilden, Zonen der Verheißung wie der schlimmsten Gefahren. Fabelwesen, Feuerberge, Dantes Eiszone, der Rand der Scheibe, von dem man in die absolute Schwärze zu stürzen fürchtete – alles Vorstellungen, mit denen das heutige Kompasswissen aufgeräumt hat. Die Welt ist eingeteilt in ein 360-Grad-Rundumsystem, doch hinter dieser scheinbar so konkreten Zahl wartet geduldig das Unermessliche, das Unfassbare. Und auch dasjenige, was dem Menschen zu seinen Lebzeiten verborgen bleibt … die Unendlichkeit…

Musik:

Nicholas Kraemer/Cembalo und Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Sir Neville Marriner: „Basse danse - 1. Satz“ aus: „Capriol Suite - für Cembalo und Orchester“ von Peter Warlock
Label: London 421391-2