Barmherziger Samariter

Über die Grundlagen für ein gelingendes christliches Leben hat Papst Franziskus erst vor kurzem ein Schreiben veröffentlicht.

Morgengedanken 4.5.2018 zum Nachhören:

Heute Morgen möchte ich Ihnen eine ganz bekannte Geschichte erzählen und eine weniger bekannte Pointe dazu. Es ist die Geschichte vom „Barmherzigen Samariter“. Sie kennen sie sicher: Da wird Jesus von einem Schriftgelehrten, einem Intellektuellen, würden wir heute sagen, abgeklopft, ob er wohl wirklich weiß, was die Gebote Gottes sind. In Richtung Nächstenliebe und so. Und der „Oberg’scheite“ fragt Jesus nach einigem Hin und Her schließlich: Und wer ist denn nun mein Nächster?

Angelika Pressler
ist Leiterin der Personalentwicklung der Caritas Salzburg

Die Notlage bestimmt, wer der Nächste ist

Wahrlich eine Elferfrage. Sind wir nicht oft auch versucht, bei der Nächstenliebe zu fragen, wer gehört denn nun zum Kreis meiner Nächsten? Neigen wir da nicht auch allzu gern zu Kategorisierung? Die engere Familie, meine nächste Umgebung, die Österreicher… Jesus erzählt eine Geschichte: Ein Mann wandert von Samaria Richtung Jerusalem. Er wird überfallen, blutig geschlagen und ausgeraubt, bleibt schwer verletzt liegen. Da kommen ein Priester und später ein Tempeldiener vorbei. Beide gehen weiter. Es kommt ein Mann aus Samaria, im damaligen Israel übrigens ein Ausländer. Der verbindet ihn, sorgt sich um ihn.

Und Jesus fragt den Oberg’scheiten: Wer hat sich gegenüber dem Verletzten als Nächster erwiesen? Bumm! Das ist ein Perspektivenwechsel. Nicht ich bestimme, wer mein Nächster ist, sondern der, der mich braucht, bestimmt es. Die Not des Gegenübers definiert, wann ich zum Nächsten werde.