Viele Götter

Eine Reise nach Indien lässt jeden, der an Religion interessiert ist, mit massiven Eindrücken zurück. Jeder, der sich aufmerksam durch’s Land bewegt, kann die vielen und verschiedenartigen Darstellungen von Göttern nicht übersehen.

Gedanken für den Tag 9.5.2018 zum Nachhören:

Und man findet dort alles: männliche und weibliche Götterfiguren in allen erdenklichen Formen und mit allen möglichen und unmöglichen Attributen, Götter mit Halb-Tier-Mensch-Körpern, die teilweise ganz zentrale Bedeutung haben. Der affenköpfige Hanuman zum Beispiel ist immer wieder dargestellt: Er hilft dem Helden Rama bei dessen Suche nach seiner Frau, die vom Dämonenfürsten Ravana entführt worden war. Oder man denke nur an den Gott mit dem Elefantenkopf, Ganesha, ein aktuell in Indien besonders beliebter Gott, der mit Vernunft und Lebensbewältigung assoziiert ist und als der Beseitiger der Hindernisse gilt.

Franz Winter
ist Religionswissenschaftler

Suche nach dem Einen

Doch ist das Label Polytheismus, also ein Religionssystem mit vielen Göttern, mit Vorsicht zu genießen. Am auffälligsten ist die Tatsache, dass es in vielen solchen Religionen Tendenzen gibt, dann doch einem Gott eine besondere Stellung einzuräumen, ihn sozusagen über die anderen zu erheben. Das kann bis zur Vorstellung führen, dass dieser eine Gott sich nur in unterschiedlichen Formen manifestiert.

Wunderbar ausformuliert ist das zum Beispiel im 4. Gesang der indischen Bhagavadgita, wo sich der Gott Krishna dem staunenden Helden Arjuna offenbart und in ihm quasi alles, einschließlich der gesamten Götterwelt, enthalten ist. Man könnte hier sogar von einer regelrechten Suche nach dem Einen sprechen, das sich in unterschiedlichen Formen in den Religionen immer wieder gezeigt hat.

Musik:

Mohit Chauhan, Tulsi Kumar: „Hafiz Khuda"
Label: Super Cassettes Industries E2/16