Buddhismus und Gott

„Der Buddhismus ist die einzige Religion, die ohne Gott auskommt.“ Diese Aussage hört man immer wieder und sie gilt meist als eine Art Hervorhebung, ja eine Adelung dieser Religion. Es geht auch „ohne“.

Gedanken für den Tag 12.5.2018 zum Nachhören:

Das stimmt jetzt insofern, als es auf keinen Fall einen Gott im Sinne monotheistischer Religionen gibt, einen Gott, der im Zentrum der Verehrung steht und die absolute und letztendliche, persönliche Bezugsfigur des Menschen darstellt. Das würde Grundideen des Buddha widersprechen, der ein sehr pragmatisches Programm entworfen hat, das dem einzelnen Menschen einen Weg aus seiner Verstrickung in den Kreislauf der Wiedergeburten weisen will. Alle anderen Fragestellungen gelten als sekundär und unnötig, auch was beispielsweise die Entstehung der Welt oder ähnliches betrifft.

Franz Winter
ist Religionswissenschaftler

Das gleiche Ziel?

Soweit die Theorie. Bewegt man sich allerdings durch Länder, die stark durch den Buddhismus geprägt sind, wie beispielsweise Südostasien oder Ostasien dann bietet sich oft ein anderes Bild: Buddhisten haben sehr wohl eine sehr ausgeprägte Praxis der Verehrung aller möglichen Instanzen, des Buddha oder anderer Heilsbringer, z.B. der Bodhisattvas. Man bittet um Unterstützung und Hilfe in der Not und wendet sich vertrauensvoll an diese Figuren. Rein von außen betrachtet lassen sich dabei oft wenige Unterschiede zu anderen Religionen erkennen. Offensichtlich liegt es in der Natur des Menschen, wenn er religiös ist, sich an jemanden wenden zu wollen.

Vielleicht ist auch das Gleiche gemeint. Doch sind wir mit dieser Frage schon bei einem ganz anderen Kapitel: Haben Religionen eigentlich das gleiche Ziel und vor allem ausnahmslos alle Religionen? Diese Frage muss wohl bislang als ungelöst betrachtet werden.

Musik:

Nitin Sawhney: „Koyal"
Label: Putumayo World Music
PUT 244-2