Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Im Märchen von Hänsel und Gretel antworten die beiden Kinder damit schlagfertig auf die Frage der bösen Hexe, wer sich denn da an ihrem Haus zu schaffen mache.

Gedanken für den Tag 16.5.2018 zum Nachhören:

Der Wind, als Bote von oben, ein Abgesandter von weit her, der mit seinem Brausen etwas anzeigt, etwas bringt. Die Natur hilft zu verstehen, nicht nur als Symbol, sie zeigt im rechten Sinn des Wortes, dass etwas los ist. Nicht zufällig heißt es: Naturgewalten oder gar Urgewalten der Natur.

Ingrid Pfeiffer
ist Autorin und Kunsthistorikerin

Wachsamkeit für das Kommende

Dafür muss ich mir keine Katastrophen ins Gedächtnis rufen. Ich denke an eine Straßenszene mitten in der Stadt. Wie die Menschen stehenbleiben, wie sie um sich und in den Himmel schauen, ihre Bewegungen, alles verändert sich augenblicklich. Das ist aufregend und schön, aber es liegt auch Beunruhigung in der Luft. Ist es Spannung, Vorfreude, Befürchtung?

Immer noch spreche ich von gemäßigten Erscheinungen, wie sie die Jahreszeiten in unseren Breiten mit sich bringen. Trotzdem und sogar hier kommt mit dem Wind die Frage auf, ob, wenn der Sturm sich gelegt hat, vieles, alles, vielleicht das Wichtigste anders sein wird? Und wie? Sich darauf einzustellen, ist unmöglich. In diesen Augenblicken des Erwartens bleibt alles ungewiss.

Während es vom Himmel her braust und tost, gilt es still zu halten, alle Sinne anzuspannen, um nichts zu versäumen. Der Wind, dieses himmlische Kind, versetzt in Wachsamkeit für das Kommende.

Musik:

Angela Hewitt, Piano: „Partita 1, B-Dur, BWV 825 - Präludium“ von Johann Sebastian Bach
Label: CDA 67191/2 Hyperion LC 7533