Vom Sprechen und Verstehen

Die Sprache ist dem Menschen wesentlich, lese ich wieder und in vielen Variationen bei dem österreichischen Philosophen Ferdinand Ebner.

Gedanken für den Tag 17.5.2018 zum Nachhören:

Der Bericht von Pfingsten in der biblischen Apostelgeschichte erzählt: Was sich im Brausen des Windes angekündigt hat, ist zum Hauch, zum Stimmhauch geworden, zur Äußerung des Lebensatems. Mit diesem Wort wäre Ebner vermutlich einverstanden gewesen, ging es ihm doch vor allem um die Sprache in der Aktualität ihres Gesprochenwerdens. Das führt mich direkt zur ursprunghaften Pfingsterfahrung zurück. Mit dem Wort, mit Sprache begabt zu sein, erhält seinen Sinn im Verstandenwerden. Erst in diesem Gegenüber kann sich die Begabung entfalten. Sie ist nicht für außergewöhnliche Situationen und wenige Auserwählte reserviert. Diese Gabe gilt allen.

Ingrid Pfeiffer
ist Autorin und Kunsthistorikerin

Icheinsamkeit

Etwa so: Ich spreche zu jemandem, teile etwas, teile darin mich mit und bin mit der angesprochenen Person in dichtestem Austausch, selbst wenn es nicht um Rede und Gegenrede geht. Ich, als Sprechende, lese – in den Augen, der Mimik, der Körperhaltung meines Gegenübers, ob ich in der richtigen Sprache zu ihr, zu ihm spreche. Wir halten einander, befeuern einander im Sprechen und Verstehen.

Ein Wort des Philosophen Ferdinand Ebner soll hier noch Platz finden, eben weil das, was es bezeichnet, in der beschriebenen Situation überwunden ist: die Icheinsamkeit. Meine Erfahrung sagt mir: Es wird nicht dabei bleiben. Sie sagt mir aber auch: Das Besondere, ja Erhellende dieser Stunde ist ein Anfang. Und als solcher ein für alle Mal.

Musik:

Elisabeth Leonskaja, Piano: „Piano Sonata in A major, D.664 - Allegro moderat“ von Franz Schubert
Label: Apex 0927408322 Warner Classics Teldec Classics LC 6019