„Gedanken für den Tag“

Mittwoch, 18.10.2017, Christoph W. Bauer

Der erste Berufsdichter

Zum 2000. Todestag von Publius Ovidius Naso: „Oft sagte mein Vater: Was versuchst du dich an brotlosen Künsten? Sogar Homer hat keine Reichtümer hinterlassen“ 

Dienstag, 17.10.2017, Christoph W. Bauer

Im Exil

„Sulmo heißt meine Heimat, gesegnet mit kalten Gewässern: neunmal zehntausend Schritt liegt sie entfernt von der Stadt“, so steht es in Ovids „Tristia“, jenen elegischen Gedichten, die das Genre der Exilliteratur begründen. 

Montag, 16.10.2017, Christoph W. Bauer

Vivam - Ich werde leben

Zum 2000. Todestag von Publius Ovidius Naso: „Vivam – Ich werde leben“, so beschließt Ovid seine „Metamorphosen“ und er sollte Recht behalten. Anlässlich seines 2000. Todestags wird allerlei Trubel um seine Person gemacht, scheint uns Publius Ovidius Naso, so sein vollständiger Name, lebendiger als viele Dichter vergangener Jahrhunderte. 

Samstag, 14.10.2017, Herbert Maurer

Buenos dias Spanien und Argentinien

„Buenos Dias“ – Was ist ein Tag, wie können wir einen Tag berechnen, rechnet sich ein Tag? Der Spanier ebenso wie der Argentinier, der Mann mit dem silbernen Blut, kann gut rechnen, der eine langsamer, der andere schneller. Reicht aber das Rechnen, um einen Tag zu schätzen, im besten Fall auch schätzen zu lernen? 

Freitag, 13.10.2017, Herbert Maurer

Dobroje utro Russland

„Dobroje utro“ – so oder so ungefähr heißt es in der Früh in Russland – und es macht traurig, dass es nur ungefähr so heißen kann. Der Akzent ist das Schicksal der Russen. Niemand spricht Russisch ohne Akzent, außer einige wenige Russen im tiefsten Sibirien, in den Ländern mit ständiger Nacht. 

Donnerstag, 12.10.2017, Herbert Maurer

God morgen Dänemark

„God morgen“ – Wer meint, es handle sich bei diesem dänischen Frühstücksgruß um eine billige Kopie des uns allen hinlänglich bekannten „Guten Morgen“, der irrt. 

Mittwoch, 11.10.2017, Herbert Maurer

Good morning England

„Good morning“ – Mit diesen Worten wissen alle die, die des Englischen mächtig sind, dass sie noch am Leben sind. Wer das hört, darf aufstehen, kaltes Wasser ins Gesicht, heiße Eier mit Speck in der Pfanne: Was will der Mensch mehr? 

Dienstag, 10.10.2017, Herbert Maurer

Buon giorno Italien

In Italien überspringt man - mit Mut – alles, was zu früh ist oder an das zu früh Kommen erinnert (Mattina, wo ist sie? – Santa Mattina? Wer hat sie schon gesehen?). Das Zwiegespräch mit Signora Mattina findet vielleicht zu Hause mit geschlossenen Augen vor dem Spiegel statt oder hätte stattfinden sollen. 

Montag, 9.10.2017, Herbert Maurer

Pari louis Armenien

„Pari louis“ – so sagt man „guten Morgen“ auf Armenisch. Der Sinn ist etwas anders als bei uns im Deutschen. Es geht ums Licht, man wünscht sich gutes Licht, welches Licht auch immer. Gutes Sonnenlicht, gutes Neon- oder Kerzenlicht oder besser noch das gute Licht in den Augen derer, denen man im Lauf des Tages in die Augen schaut. 

Samstag, 7.10.2017, Johanna Schwanberg

Christmas angel für Monsignore, 1970

Eine mit wenigen schwarzen Tuschestrichen gezeichnete Figur schwebt in der Mitte des weißen Blattes. Der zur Seite gedrehte Kopf wirkt vogelartig, die Arme entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Flügel. Die schlichte Tuschezeichnung hat die österreichische Grande Dame der Nachkriegskunst Maria Lassnig, im Jahr 1970 gefertigt. 

Freitag, 6.10.2017, Johanna Schwanberg

Joseph Beuys, Quelle, 1949

„Kunst verändert den Menschen – sie verändert das Leben“. Eine starke Ansage, die dem künstlerischen Schaffen eine unglaublich positive Kraft zuschreibt. Der Domprediger Otto Mauer hat sie in seiner Rede über den deutschen Künstler Joseph Beuys getätigt. Als Museumsdirektorin gefällt mir dieser Glaube an das verändernde Potential von Kunst. 

Donnerstag, 5.10.2017, Johanna Schwanberg

Maria Magdalena, um 1670

Eine ausdrucksstarke Frau mit kantigem Gesicht, breitem Oberkörper und großen Händen steht vor mir. Sie hat den Kopf zur Seite gedreht, die tiefliegenden Augen blicken nach unten, der Mund ist leicht geöffnet. 

Dienstag, 3.10.2017, Johanna Schwanberg

Gold-Seide-Stoff der Grabhülle Rudolf IV., um 1319 - 35

Was für ein unglaubliches Objekt! Wie ein zerschnittenes Gewand oder das ausgebreitete Fell eines gehäuteten Tieres mutet es auf den ersten Blick an. Die erdig-braune Farbigkeit verstärkt den organischen Charakter. Bei näherem Hinsehen entdeckt man dunkle Flecken auf dem Stoff. 

Montag, 2.10.2017, Johanna Schwanberg

Porträt Herzog Rudolf IV., um 1360/65

Kunst verändert - Die Schätze des neuen Dom Museum Wien: Immer wieder stehe ich vor diesem kleinen Bild. Zunächst gefesselt von der zurückhaltenden Farbigkeit; von dem Zusammenspiel der Rot-, Braun- und Ockertöne. 

Samstag, 30.9.2017, Hubert Gaisbauer

Fährleute sind sie

Fährleute sind sie und Flößer auf dem Strom der Geschichte und der Geschichten. So könnte eine Ode an die Radiomenschen beginnen. Noch immer laden sie mit ihrem Radio ein – ja, noch immer – zum Anlegen an den Landzungen der Dauer, des Verweilens, des Aushaltens. 

Freitag, 29.9.2017, Hubert Gaisbauer

O mein Chamäleon Radio!

O mein Chamäleon Radio! Du kannst viele Farben spielen, die rosigen und die himmelblauen wohl am liebsten, man spricht ja – in Fachkreisen – so treffend von einer „Programmfarbe“. 

Donnerstag, 28.9.2017, Hubert Gaisbauer

An der Hälfte meines Radiolebens

An der Hälfte meines Radiolebens – am Beginn seines Herbstes – wurde ich einmal befragt, was mich denn an diesem Medium so sehr fessle, wo doch die große Zeit des Radiohörens längst schon vorüber wäre. Ich bestritt dies heftig und wortreich – und die Befragung fand kein glückliches Ende. Weh mir, dachte ich, wo nehm ich jetzt noch ein überzeugendes Wort her. 

Mittwoch, 27.9.2017, Hubert Gaisbauer

O Radio, warum weckst du das Heimweh nach Kindheit

O Radio – warum wohl weckst du in uns Alten so sehr das Heimweh nach Kindheit? Im Jänner jenes Jahres, in dem Mozarts 200. Geburtstag gefeiert wurde, schenkte mir mein älterer Bruder zu meinem Geburtstag – die Nähe zu Mozart war für mich immer mit einem gewissen Hochgefühl verbunden - einen kleinen selbstgebastelten Wellenempfänger. 

Dienstag, 26.9.2017, Hubert Gaisbauer

O wie Ode. Okay.

An das Radio eine Ode. Das könnte – oder müsste – zu allererst eine Ode, also ein Lobgesang, sein auf die Sprache, die wandelbare. Denn Radio lebt von dem gesprochenen Wort – und weniger, eigentlich gar nicht, von den sich drehenden Scheiben, den Tonträgern und Speichern, gewiss, das sind Schätze im Tonarchiv und im Fundus. 

Montag, 25.9.2017, Hubert Gaisbauer

Oden ans Radio - Zum 50. Geburtstag von Ö1

O wenn man wüsste, wie kostbar das Wunder des Worts in der Nacht ist, denn nicht die Musik ist ’s, die tröstet, sie macht mir die Zeit nur vergänglich, bis ich den Atem wieder verspür, den deinen, den lebendigen, der mir unsichtbar sagt: Ich bin da – und du hörst mich…