„Gedanken für den Tag“

Montag, 18.6.2018, Wolfgang Müller-Funk

Montaigne oder Vom Zufall, Christ zu sein

„Wir sind Christen im gleichen Sinne, wie wir Schwaben oder Perigordiner sind, notiert der französische Philosoph Michel de Montaigne 1580 in seinen berühmten „Essais“. 

Samstag, 16.6.2018, Johanna Schwanberg

Ein Schiff voller Menschen

Alle Altersgruppen sind in dem hölzernen Ruderboot vertreten. Sie blicken nachdenklich, ängstlich oder traurig vor sich hin. Ein alter Mann hat die Hände zum Gebet gefaltet, ein junger Bursch winkt zum Abschied. Ihr spärliches Hab und Gut haben die Menschen ins Boot gequetscht. 

Freitag, 15.6.2018, Johanna Schwanberg

Wohin verschwinden die Grenzen?

„Wohin verschwinden die Grenzen?“ Das steht riesig groß in Deutsch und Tschechisch auf einer 50 Meter langen Metallkonstruktion mitten in der Landschaft geschrieben. Daneben sind Fotos von nachgestellten Grenzübertritten zu sehen. 

Donnerstag, 14.6.2018, Johanna Schwanberg

Geschichte ohne Worte

Ein schwarzhaariger Junge sitzt in einem blauen Hemd vor einer grünen, desolaten Wand. Am Boden sind Orientteppiche zu sehen. Der Bub mit den ausdrucksstarken, dunklen Augen beginnt mit dem ganzen Körper zu artikulieren. Er spricht mit den Händen, gibt Laute von sich. Mir scheint, er erzählt mir pantomimisch eine Geschichte. Aber welche? 

Mittwoch, 13.6.2018, Johanna Schwanberg

Familie auf der Flucht

Dunkelblau, Rot, Ocker! Und dann noch dazu leuchtendes Gold. Was für wunderbare intensive Farben, was für eine fantastische Malerei, denke ich mir jedes Mal, wenn ich vor einem mittelalterlichen Gemälde im Schaudepot des Wiener Belvedere stehe. 

Dienstag, 12.6.2018, Johanna Schwanberg

„Und dann waren wir am Westbahnhof“

Am Boden eines Bahnsteigs am Wiener Westbahnhof sind immer wieder Buchstabenfolgen zu erkennen. Die Wörter sind schon etwas verblasst. Dennoch kann ich das Geschriebene entziffern, wenn ich an den wartenden Menschen vorbeischlendere. 

Montag, 11.6.2018, Johanna Schwanberg

Bilder der Flucht

Verzweifelte Menschen an der Grenze, eine erschöpfte Familie in der Wüste, ein gekentertes Boot im Meer. Bilder von vertriebenen und flüchtenden Menschen prägen die massenmediale Berichterstattung der letzten Jahre. 

Samstag, 9.6.2018, Nermin Ismail

Die letzten Tage

Das Fasten ist nicht sehr einfach, vor allem im Sommer nicht. Ich denke, wenn die religiöse Überzeugung nicht vorhanden ist, ist das fast unmöglich, so viele Stunden zu verzichten. Die 30 Tage vergehen schnell und so wie man am Anfang voller Freude dastand, ist auch jetzt die Traurigkeit in den Augen der Menschen zu spüren. 

Freitag, 8.6.2018, Nermin Ismail

Orte, die Geschichten erzählen

Manche Orte erzählen Geschichten, man muss nur hinschauen und zuhören. Einer dieser Orte ist für mich Hadiqet El Azhar, der Azhar Park in Kairo. Es ist der größte Park Kairos, mit Cafés, Restaurants, Brunnen, Sitzgelegenheiten, duftenden Blumen und schattenspendenden Bäumen. 

Donnerstag, 7.6.2018, Nermin Ismail

Sitcoms im Ramadan

Für die Unterhaltungsindustrie in Ägypten ist der Ramadan der Höhepunkt des Jahres. Schon Monate zuvor werden Serien und Shows angekündigt. Die Ägypter verbringen Stunden vor dem Fernseher. Kaum eine Einladung zum Iftar, zum Fastenbrechen, gleicht der anderen. Wenn es ein arabisches Land gibt, in dem viel auf Lebensfreude gesetzt wird, dann ist es Ägypten. 

Mittwoch, 6.6.2018, Nermin Ismail

Ein seltener Gast

Ramadan ist eine seltene Blume, die einmal im Jahr erblüht. In dem Moment, in dem man beginnt, ihren süßen Geruch wahrzunehmen, verschwindet sie wieder - für ein Jahr. 

Dienstag, 5.6.2018, Nermin Ismail

Monat der Wohltaten

Auch in Wien schmücken wir die Wohnung und den Balkon im Ramadan mit Girlanden und Laternen. Doch das ist nichts, verglichen mit den Straßen Kairos, der Stadt, in der der Großteil meiner Familie lebt. 

Montag, 4.6.2018, Nermin Ismail

Mein Ägypten im Ramadan

Ich bin in Wien geboren. Meine Eltern in Kairo. Mindestens einmal im Jahr sind wir in Ägypten. In Ägypten ist der Rest der Familie, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen. Es ist mein zweites Zuhause. 

Samstag, 2.6.2018, Otto Friedrich

Biblisch sprechen lernen

Wie soll religiöses Sprechen beschaffen sein? Haltbare Sätze. Eine gerechte Sprache. Achtsame Rede. Worte, die die Herzen der Menschen treffen, die nicht verletzen, sondern heilen. 

Freitag, 1.6.2018, Otto Friedrich

Eine achtsame Sprache

Vor nicht allzu langer Zeit machte ein Buch des Unternehmensberaters Erik Flügge Furore. Der Untertitel dieses Buches, „Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“ sagt schon alles. Und der Titel geißelt den „Jargon der Betroffenheit“, der die Gottesdienste vergiftet und Menschen aus den Kirchen „zum Weglaufen“ bringt. 

Mittwoch, 30.5.2018, Otto Friedrich

Sprache und Symbol

Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Aber stimmt das auch? Zweifelsohne gibt es viele andere Lebensmittel, von denen sich die Menschen ernähren. Dennoch hat das Wort „Brot“ einen besonderen Klang – es ist poetischer als „Reiswaffel“ oder „Kartoffelpüree“. 

Dienstag, 29.5.2018, Otto Friedrich

Um eine gerechte Sprache

Man kann die Gegenwart als Zeit des abfallenden Glaubens denunzieren und klagen, dass auch in den Kirchen immer weniger von Gott die Rede sei. Vielleicht liegt das daran, dass die institutionalisierte Religion und deren beamtete Verkünder es nicht verstehen, so von Gott zu sprechen, dass dies auch die Herzen der Menschen trifft. 

Montag, 28.5.2018, Otto Friedrich

„Haltbar. Achtsam. Gerecht“

Wie heute religiös sprechen? Auf 140 oder 280 Zeichen lange Botschaften werden die Fragen der Menschen heruntergebrochen. Was die Länge eines Tweets überschreitet, scheint in der Welt von heute nicht mehr verhandelbar. Eine infantile Sprache greift weltweit um sich. 

Samstag, 26.5.2018, Johannes Huber

Gehirn-Apps

Wenn wir vom Transzendentalen sprechen - ist das nicht die Feuerbach‘sche Leinwand, auf die wir unsere Sorgen, Nöte und Sehnsüchte projizieren und dann auch einen Weltenbaumeister erdichten? 

Freitag, 25.5.2018, Johannes Huber

Verfassung der Natur

Im Jahr 2016 wurden mehr als 15.000 Ehen in Österreich geschieden. Hinter dieser Statistik liegt aber eine andere Art von Dunkelziffer: Wieviel Tränen sind dabei geflossen, wieviel Kränkungen und Verletzungen mussten im Neuroarchiv abgespeichert werden und wie lange haben die dabei entstandenen Schmerzen die betroffenen Menschen begleitet?