„Gedanken für den Tag“

Montag, 2.10.2017, Johanna Schwanberg

Porträt Herzog Rudolf IV., um 1360/65

Kunst verändert - Die Schätze des neuen Dom Museum Wien: Immer wieder stehe ich vor diesem kleinen Bild. Zunächst gefesselt von der zurückhaltenden Farbigkeit; von dem Zusammenspiel der Rot-, Braun- und Ockertöne. 

Samstag, 30.9.2017, Hubert Gaisbauer

Fährleute sind sie

Fährleute sind sie und Flößer auf dem Strom der Geschichte und der Geschichten. So könnte eine Ode an die Radiomenschen beginnen. Noch immer laden sie mit ihrem Radio ein – ja, noch immer – zum Anlegen an den Landzungen der Dauer, des Verweilens, des Aushaltens. 

Freitag, 29.9.2017, Hubert Gaisbauer

O mein Chamäleon Radio!

O mein Chamäleon Radio! Du kannst viele Farben spielen, die rosigen und die himmelblauen wohl am liebsten, man spricht ja – in Fachkreisen – so treffend von einer „Programmfarbe“. 

Donnerstag, 28.9.2017, Hubert Gaisbauer

An der Hälfte meines Radiolebens

An der Hälfte meines Radiolebens – am Beginn seines Herbstes – wurde ich einmal befragt, was mich denn an diesem Medium so sehr fessle, wo doch die große Zeit des Radiohörens längst schon vorüber wäre. Ich bestritt dies heftig und wortreich – und die Befragung fand kein glückliches Ende. Weh mir, dachte ich, wo nehm ich jetzt noch ein überzeugendes Wort her. 

Mittwoch, 27.9.2017, Hubert Gaisbauer

O Radio, warum weckst du das Heimweh nach Kindheit

O Radio – warum wohl weckst du in uns Alten so sehr das Heimweh nach Kindheit? Im Jänner jenes Jahres, in dem Mozarts 200. Geburtstag gefeiert wurde, schenkte mir mein älterer Bruder zu meinem Geburtstag – die Nähe zu Mozart war für mich immer mit einem gewissen Hochgefühl verbunden - einen kleinen selbstgebastelten Wellenempfänger. 

Dienstag, 26.9.2017, Hubert Gaisbauer

O wie Ode. Okay.

An das Radio eine Ode. Das könnte – oder müsste – zu allererst eine Ode, also ein Lobgesang, sein auf die Sprache, die wandelbare. Denn Radio lebt von dem gesprochenen Wort – und weniger, eigentlich gar nicht, von den sich drehenden Scheiben, den Tonträgern und Speichern, gewiss, das sind Schätze im Tonarchiv und im Fundus. 

Montag, 25.9.2017, Hubert Gaisbauer

Oden ans Radio - Zum 50. Geburtstag von Ö1

O wenn man wüsste, wie kostbar das Wunder des Worts in der Nacht ist, denn nicht die Musik ist ’s, die tröstet, sie macht mir die Zeit nur vergänglich, bis ich den Atem wieder verspür, den deinen, den lebendigen, der mir unsichtbar sagt: Ich bin da – und du hörst mich… 

Donnerstag, 21.9.2017, Sarah Egger

Geburtstag der Schöpfung

Die jüdische Jahreszählung orientiert sich an der Erschaffung der Welt, die nach der Tradition am ersten Rosch haSchana geschaffen worden sein soll. Also sollte diese nach biblischer Auffassung in diesem Herbst 5778 Jahre alt sein. Am Neujahrstag feiern wir somit den Geburtstag der Schöpfung. 

Mittwoch, 20.9.2017, Sarah Egger

Tag der Erinnerung

Das jüdische Neujahrsfest Rosch haSchana hat im Laufe der Zeit einige Namen bekommen, die so nicht in der Bibel stehen. Einer davon ist „Rosch haSchana“ selbst – die Bibel bezeichnet diesen Feiertag nicht als „Kopf des Jahres“, sondern als Tag des Lärmblasens, Festtag oder ähnliches. 

Dienstag, 19.9.2017, Sarah Egger

Das Zählen der Jahreszahlen

Die Bat Mizvah ist das religiöse Mündigwerden jüdischer Mädchen, das in liberalen Gemeinden groß gefeiert wird, wenn sie zwölf Jahre alt werden. Jeder Jüdin ist ein Abschnitt der Torah zugeordnet, nämlich der, der am Schabbat nach ihrem zwölften Geburtstag gelesen wird. Dazu soll die neue „Tochter der Gebote“, das heißt Bat Mizvah übersetzt, eine Draschah, also eine Predigt, vorbereiten. 

Montag, 18.9.2017, Sarah Egger

Rosch haSchana - Nicht nur ein Neujahrstag

Wir wollen von der Heiligkeit dieses Tages erzählen“ – so beginnt ein eindringliches Gebet, das Jüdinnen und Juden am Nachmittag von Rosch haSchana, dem Neujahrsfest, beten. Das „uNetanneh Tokef“ wird Kalonymus ben Meschullam zugeschrieben, der im elften Jahrhundert der Zeitrechnung von Kreuzfahrern in den Selbstmord getrieben wurde. 

Samstag, 16.9.2017, Cornelius Hell

„Der Schimmelreiter“

Zum 200. Geburtstag von Theodor Storm: Man muss unbedingt den „Schimmelreiter“ lesen, meinte unser Deutschprofessor, als wir in der Schule Theodor Storm lasen. 

Freitag, 15.9.2017, Cornelius Hell

„Gleich einem Luftgespinst der Wüste“

Wenn ich in den Gedichten von Theodor Storm blättere, bleibe ich immer wieder an denen hängen, die die Erfahrung der Liebe zum Ausdruck bringen. 

Donnerstag, 14.9.2017, Cornelius Hell

Ein schwieriger Mensch

Zum 200. Geburtstag von Theodor Storm: Ein seriöser Herr mit langem Rauschebart, immer im Sakko, gelegentlich auch mit Fliege – das sind die Bilder, die ich von Theodor Storm kenne. 

Mittwoch, 13.9.2017, Cornelius Hell

„Die graue Stadt am Meer“

Die Landschaften und Städte, an denen sich mein Blick geschult hat, haben mit jenen von Theodor Storm kaum etwas gemein. Darum bin ich dankbar für die Anmerkungen in den Ausgaben seiner Prosa-Texte, denn die Pflanzen- und Tierwelt der Heide in Schleswig-Holstein oder die Terminologie des Deich-Baues kenne ich nicht. 

Dienstag, 12.9.2017, Cornelius Hell

„Brennende Nebel geistern umher“

Der Herbst muss die Lieblingsjahreszeit von Theodor Storm gewesen sein, denke ich, wenn ich seine Gedichte lese. Oft ist dieser Herbst bei ihm keine Zeit der Ernte und der Fülle, sondern der traurigen Leere. 

Montag, 11.9.2017, Cornelius Hell

„Ein Blatt aus sommerlichen Tagen“

Zum 200. Geburtstag von Theodor Storm: Ein kleines gedrucktes Heft, das fahle Licht im Klassenzimmer und diese namenlose Traurigkeit – daran erinnere ich mich noch. 

Samstag, 9.9.2017, Rainer Bucher

Gott im Alltag

Jeder und Jede ist etwas Eigenes und Besonderes. Jede menschliche Existenz ist normal und geht doch über Normalität hinaus. 

Freitag, 8.9.2017, Rainer Bucher

Aufmerksamkeit im Alltag

Aus dem Paradox des Alltags, zugleich Trost der Sicherheit und Ahnung der Endlichkeit zu sein, führt nur ein Weg hinaus: der Weg mitten in den Alltag hinein. Man darf sich nicht einfach mit dem Alltag versöhnen, er kann aber auch nicht durch Flucht verlassen werden, aber er kann reich werden durch Entdeckung. 

Donnerstag, 7.9.2017, Rainer Bucher

Befreiungspathos der Moderne

In dem, was man so die späte Moderne nennt, wird auch der Alltag beweglich, offen, flüssig. Zwar ist nicht ständig alles im Fluss, aber alles kann ins Fließen kommen. Es kann sich jederzeit viel, wenn nicht alles, ändern, so sehr, dass etwa der englische Soziologe Zygmunt Bauman von einer „liquid modernity“ spricht.