„Erotischer Gottesdienst“ ohne Vulgärsprache

Der „erotische Gottesdienst“ einer evangelischen Pfarre in Wiesbaden fand entgegen der Vorankündigungen doch ohne vulgäre Ausdrücke statt.

„Erotik und Lust sind keine vom Glauben abgetrennten Sperrgebiete“, sagte Pfarrer Ralf Schmidt am Sonntag in der Erlöserkirche im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel im Rahmen eines „erotischen Gottsedienstes“. Gott habe seine Liebe und seine Lust in die Menschen gepflanzt, die komme nicht vom Teufel.

"Alle Welt, auch meine Schüler, redet von „Poppen“ und „Ficken", und diese Worte kommen auch in der Predigt vor“, hatte Schmidt vorab angekündigt. In der Predigt verzichtete der Pfarrer schließlich doch auf Vulgärsprache. „Diese Ausdrücke waren schon die ganze Woche in den Zeitungen zu lesen, da musste ich sie nicht noch aussprechen“, erklärte Schmidt. Deshalb habe er seine Predigt um eine Passage gekürzt. Mit seiner Ankündigung, einen "erotischen Gottesdienst zu feiern, hatte Schmidt zuvor ein großes Medienecho ausgelöst.

Eine evangelische Pfarre in Wiesbaden feiert einen erotischen Gottesdienst.

dapd/Mario Vedder

Gemeindemitglieder beim „meditativen Tanz“ um den Altar

So waren drei Kamerateams sowie zahlreiche Fotografen und Reporter beim Gottesdienst dabei.Das erotische Programm beschränkte sich jedoch auf eine Frau, die Rosenblätter von einer Empore schweben lässt und etwa ein Dutzend Seniorinnen, die mit bunten Bändern in den Händen einen „meditativen Tanz“ um den Altar präsentierten. Gläubige konnten sich ätherisches Öl auf Hände oder Stirn streichen lassen und zu Elvis Presleys „Love Me Tender“ reichten sich die Gottesdienstbesucher die Hände.

Sex als Inspirationsquelle

In seiner Predigt spricht Schmidt schließlich von Sex als Bereicherung, auch im Leben eines Pfarrers: In der Fernsehserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ sei ein Geistlicher einmal dabei gezeigt worden, wie er nach dem Sex mit seiner Frau schnell zu einer Trauerfeier eilen musste. Der Pfarrer habe trotzdem und vielleicht gerade deshalb besonders gute und tröstende Worte gefunden.

„Vielleicht sollten wir Pfarrer öfter mit unseren Liebsten ins Bett gehen“, regt der 47-jährige Schmidt deshalb an. Bei den Gottesdienstbesuchern fand das Thema Erotik jedenfalls Anklang: „Sex gehört ja auch zum Leben, also passt das auch gut in die Kirche“, erklärte eine Kirchgängerin.

(Red./dpa)