19 Tote bei Angriff auf Kirche in Nigeria
Bei einem Angriff auf eine Kirche im nigerianischen Bundesstaat Kogi sind am Dienstag mindestens 19 Menschen getötet worden. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, stürmten am Montag drei bewaffnete Männer die Abendandacht und eröffneten das Feuer auf die Gläubigen. Dabei kamen der Pastor sowie 18 weitere Personen ums Leben. Ein Augenzeuge sprach sogar von zehn Angreifern, die zusätzlich die Ausgänge blockiert hätten, um die Kirchenbesucher an der Flucht zu hindern.
Viele weitere Personen seien verletzt worden, ein Augenzeuge berichtete von neun Personen mit Schussverletzungen, die zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht worden seien. Laut der nigerianischen Zeitung „Daily Times“ waren die Angreifer bei dem Anschlag auf eine Kirche in Zentralnigeria mit modernen Schusswaffen ausgestattet.
Kirchen schon mehrmals Ziel von Islamisten
Gabriel Olorunyomi, ein Armeekommandant in der Region, bestätigte den Angriff auf die „Deeper Life Church“ in der Ortschaft Otite nahe der Stadt Okene, 225 Kilometer südlich der Hauptstadt Abudscha. Die näheren Umstände seien aber noch unklar, fügte er hinzu. Nach Angaben von Anrainern soll es sich bei den Angreifern um Mitglieder der radikalislamischen Gruppe Boko Haram („Westliche Erziehung ist Sünde“) handeln.
Boko Haram will Scharia einführen
Bereits im vergangenen Monat hatten Selbstmordattentäter einen Anschlag auf die „Living Faith Church“ in Okene versucht, seien aber von Sicherheitskräften davon abgehalten worden, wie „Daily Times“ berichtete. Die Islamisten griffen in diesem Jahr bereits mehrmals christliche Kirchen an. Okene liegt allerdings außerhalb ihres bisherigen Aktionskreises, der sich bisher hauptsächlich auf das Zentrum sowie den Nordosten des Landes beschränkte.
Boko Haram will in Nigeria, dem mit mehr als 160 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Land Afrikas, eine strenge Auslegung des islamischen Rechts (Scharia) einführen, die bereits in einigen nördlichen Bundesstaaten gilt. Die Gruppe bekannte sich zu der Ermordung von sechs Soldaten am Sonntag im Nordosten Nigerias.
Überblick über die schlimmsten Terroranschläge 2012
9. Juli 2012: 100 Personen werden bei Überfällen islamischer Nomaden auf christliche Dörfer sowie anderen Anschlägen im Nordosten Nigerias getötet. Mehr als 100 andere Personen werden verletzt. Präsident Goodluck Jonathan verspricht eine „weitere Verschärfung im Kampf gegen den Terrorismus“.
28. Juni 2012: Bei mehreren Angriffen von Islamisten im Norden werden 27 Menschen getötet, darunter auch 19 mutmaßliche Mitglieder von Boko Haram.
19. Juni 2012: Bei einer Anschlagsserie im Nordosten des Landes, in der Stadt Damaturu, werden 25 Menschen getötet. Bei darauffolgenden interreligiösen Auseinandersetzungen sterben weitere 50 Personen.
17. Juni 2012: Anschläge auf zwei Kirchen in der südlich gelegenen Stadt Kaduna und eine anschließende Vergeltungsaktionen aufgebrachter Christen fordern 45 Menschenleben, etwa 125 Personen werden verletzt. Kurz darauf bekennt sich Boko Haram zu dem Terrorakt. „Allah hat uns bei den Angriffen auf Kirchen in Kaduna und Zaria den Sieg beschert“, erklärte ihr Sprecher Abul Kaka.
3. Juni 2012: Zwölf Menschen werden bei einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche im Norden Nigerias getötet. Der Attentäter fährt mit einem Auto voller Sprengstoff in das Gotteshaus in der Stadt Yelwa in der Nähe von Bauchi.
29. April 2012: Attentäter greifen mit Waffen und Sprengsätzen eine Versammlung der christlichen Gemeinde in einem Gebäude der Universität im nordnigerianischen Kano an und töten 15 Menschen. Wenige Tage zuvor werden bei einem Anschlag auf eine Zeitungsredaktionen mindestens acht Menschen getötet.
9. April 2012: Das Osterfest wird von mehreren schweren Anschlägen überschattet, hinter denen Islamisten vermutet wurden. Kurz nach einem Anschlag mit bis zu 38 Toten nahe einer Kirche im muslimisch geprägten Norden erleiden bei einer Attacke in der Stadt Jos zahlreiche Menschen Verletzungen. Kurz darauf kommen im Nordosten weitere sieben Menschen ums Leben.
20. Februar 2012: Bei einem Überfall auf einen Markt im Norden kommen 30 Menschen ums Leben. Mehrere bewaffnete Angreifer stürmen laut Augenzeugen in der Stadt Maiduguri auf einen Markt und schießen in die Menge. Die Armee vermutet Anhänger der islamistischen Sekte Boko Haram hinter dem Angriff.
22. Jänner 2012: Bei einer koordinierten Anschlagsserie im Norden des Landes werden mehr als 190 Menschen getötet. Attackiert werden mehrere Polizeiwachen, ein Gebäude der Geheimpolizei, die Residenz eines Polizeioffiziers und Büros der Einwanderungsbehörde. Boko Haram bekennt sich laut nigerianischem Fernsehen zu den Attentaten.
8. Jänner 2012: Bei Anschlägen und Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Islamisten werden mindestens 15 Menschen getötet. Sicherheitsbehörden machen Boko Haram dafür verantwortlich.
(APA/Reuters/AFP/dpa)
Link:
Publiziert am 07.08.2012