Rosch ha-Schana: Juden feiern Neujahr

Mit dem jüdischen Neujahrsfest „Rosch ha-Schana“ beginnt für die Juden am 17. September das Jahr 5773.

Für Juden in Israel und weltweit steht Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest, vor der Tür. Viele Menschen in Tel Aviv drängelten sich am Sonntag noch an den Kassen der Supermärkte und anderer Geschäfte, um letzte Einkäufe zu erledigen, bevor die Geschäfte am Mittag schlossen. Für die Juden beginnt eine dreiwöchige Zeit religiöser Feste, Feiern und Schulferien. Rosch ha-Schanah wird von Sonntagabend bis Dienstagabend gefeiert.

Juden feiern Rosch Haschana

REUTERS/Konstantin Chernichkin

Orthodoxe Juden bei den Feierlichkeiten zu Rosch ha-Schana in der Ukraine.

„Kopf des Jahres“

Auf Hebräisch bedeutet „Rosch ha-Schana“ wörtlich übersetzt „Kopf des Jahres“. Das jüdische Neujahrsfest wird an den ersten zwei Tagen des Monats Tischri im jüdischen Kalender gefeiert - 2012 ist das am 17. und 18. September. Begangen wird eigentlich der Jahrestag der Schöpfung von Adam und Eva, der Geburtstag der Menschheit. Das Fest findet zum Großteil in der Synagoge statt, ein unverzichtbares Musikinstrument dabei ist das „Schofarhorn“, ein Blasinstrument aus einem Widderhorn. Einem genauen Ablauf folgend werden verschieden Töne darauf geblasen, um die Menschen zur Besinnung aufzurufen und das Lob Gottes zu verkünden.

„Guter Rutsch“

Der Anfang des 20. Jahrhunderts in Österreich gebräuchliche Silvestergruß „Guter Rutsch“ ist etymologisch möglicherweise eine Verballhornung aus dem Jiddischen beziehungsweise Bibel-Hebräischen und leitet sich vom hebräischen Rosch ha-Schana tov also etwa: „Gutes Neujahr“ ab.

Honig statt Salz

Weitere Bräuche sind das Essen eines in Honig eingetauchtes Apfelstücks, um dem Wunsch für ein süßes Jahr Ausdruck zu verleihen und das eintauchen des Brotes in Honig statt in Salz. Das Essen eines Fischkopfes und eines Granatapfels symbolisiert das Streben nach Erfolg und glücklichen Momenten.

Jüdische Gemeinde beim Rosh Haschana

EPA/Oliver Weiken

Das Schofarhorn wird beim jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana und ebenso am Ende des Versöhnungstages Jom Kippur geblasen.

Die vorherrschende Farbe, als Symbol der Reinheit, ist weiß. Der Vorhang des Toraschrankes, die Decke auf dem Vorbeterpult, die Kleidung des Vorbeters und zum Teil sogar aller Betenden ist aus weißem Stoff. Beim feierlichen Essen werden an jedem Festtag von den Frauen Kerzen angezündet.

Vor Rosch ha-Schana besucht man die Gräber der verstorbenen Angehörigen und der Gerechten, um sich durch die Erinnerung an deren Leben für das kommende Jahr inspirieren zu lassen.

Möglichkeit zur Reue

Gläubige Juden segnen einander mit den Worten „Mögest du für ein gutes Jahr eingeschrieben sein“, denn am Neujahrstag beginnen die „zehn Tage der Umkehr“. Nach der Überlieferung wird das Buch des Lebens, in dem die Taten der Menschen festgehalten werden, vor dem Richterstuhl Gottes aufgeschlagen. Am ersten Tag wird das Urteil geschrieben, neun Tage später wird es besiegelt und mit dem Versöhnungsfest „Jom Kippur“ gefeiert, dem heiligste Feiertag des jüdischen Kalenders. Die zehn Tage sollen den Menschen die Möglichkeit zur Selbstbesinnung und zur Reue geben. Außerdem haben sie in dieser Zeit die Möglichkeit sich mit ihren Mitmenschen zu versöhnen.

Eine Woche später beginnt dann die siebentägige Sukkot-Zeit, das Laubhüttenfest. Am 9. Oktober endet die Zeit der Feiertage mit Simchat Torah, dem Torafreudenfest.

Lena Gschiel, Marcus Marschalek; religion.ORF.at (APA, DPA)

Veranstaltungstipp:

Erstes Wiener Jüdisches Neujahrskonzert Do., 20.09., 19.30 Uhr