Klosterschwestern im Wandel

Die Frauenorden in Österreich befinden sich in einem starken Wandlungsprozess: weniger Neueintritte, Klosterschließungen, selten aber auch Neugründungen.

Da Neueintritte und Mitgliederzahlen zurückgehen, stellen die Alterung, die Aufgabe von Standorten sowie das Zusammenleben mehrerer Generationen große Herausforderungen dar, kamen Vertreterinnen der Ordensgemeinschaften in der Ö1-Sendung „Praxis - Religion und Gesellschaft“ zum Schluss. „Einige Orden werden von der Landkarte verschwinden. Wichtig ist für alle die Überlegung, wie es weiter geht. Die Gemeinschaften brauchen dabei eine gute Begleitung. Es ist auch ein Trauerprozess“, sagte Sr. Cordis Feuerstein, Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs (VFÖ).

Selten Neugründungen von Frauenorden

Derzeit leben in Österreich rund 4.200 Ordensschwestern in 120 verschiedenen Frauenorden. Während international die Zahl der Ordensschwestern leicht steigt, ist der Trend hierzulande stark gegenläufig: 116 Niederlassungen von Frauenorden wurden in den vergangenen zehn Jahren aufgelöst.

Klostergründungen wie etwa kürzlich im 20. Wiener Gemeindebezirk sind Ausnahmen: Auf jede Neuerrichtung einer Niederlassung kommen derzeit sechs Schließungen. Nur noch vier Prozent der Mitglieder österreichischer Frauenorden sind unter 40 Jahre, drei Viertel jedoch über 60 Jahre alt. „Die Pflege alter Mitschwestern, der Erhalt der Ordensinstitutionen oder auch das finanzielle Überleben werden damit zu großen Hürden“, erklärte Sr. Feuerstein.

Zisterzienserinnen

dpa/Matthias Hiekel

Zisterzienserinnen bei der Fronleichnamsprozession

Neustrukturierungen notwendig

In dieser Situation wird wird für viele Orden eine Neustrukturierung notwendig, die etwa betriebliche Maßnahmen wie die Überführung von Institutionen in andere Rechtsformen beinhaltet. Doch genauso müsse es darum gehen, altersgerechte Lebensräume zu schaffen. „Junge müssen auch jung sein dürfen, mit anderen Themen, anderen Formen des Arbeit, der Freizeitgestaltung und der Kontaktpflege. Hier braucht es noch wachsendes Bewusstsein“, führte Sr. Christine Rod, Organisationsentwicklerin und Mitglied der „Missionarinnen Christi“, aus.

Im Trend seien generationsübergreifende, mobile Gemeinschaften mit Berufung nach Außen. Anders als noch vor 50 Jahren, entscheiden sich Frauen heute meist erst um das 30. Lebensjahr für den Ordenseintritt. Zwei Drittel kommen somit mit abgeschlossener Berufsausbildung, Berufserfahrung einer ersten Karriere. Auch nach dem Ordenseintritt sind immer mehr Ordensfrauen im Angestelltenverhältnis oder freiberuflich tätig, wobei es laut Rod eine große Herausforderung sei, „auch fachlich und didaktisch gut zu sein, sich zu vermarkten, zu netzwerken“.

Traditionsgut in die heutige Zeit übersetzen

Neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder werden wichtig - etwa in Lebensberatung, spiritueller- und Sterbebegleitung, Pastoral, Kunst und Kultur. Häufig gelinge das durch Rückbesinnung auf Kernaufgaben des Ordens und deren Neuübersetzung in die Gegenwart. Neue Formen müssen jedoch besonders die apostolischen Orden finden, die im 19. Jahrhundert als Antwort auf spezielle Nöte dieser Zeit gegründet wurden.

„Häufig hat heute jedoch der Staat diese Aufgaben übernommen“, erklärt Sr. Beatrix Mayrhofer, Regionalleiterin der Vereinigung der Ordensfrauen für die Diözesen Wien und Eisenstadt. Es überrasche wenig, dass neue Bewegungen auch neue Formen der Frömmigkeit gefunden haben und vergleichsweise mehr Zulauf erhalten. „Traditionelle Orden stehen vor der Aufgabe, ihr kostbares Traditionsgut zu bewahren und gleichzeitig die Spiritualität in die heutige Zeit zu übersetzen.“

Ordensleben verändert sich

„Ordensleben wird es in Österreich in Zukunft weiterhin geben, doch in anderen Formen“, so die Prognose von Mayrhofer. Spannende Fragen seien noch unbeantwortet - etwa, wie das Ende vieler kleiner Niederlassungen das Land verändern werde, oder wie junge Menschen Ordensfrauen künftig wahrnehmen, wenn sie mit ihnen oder den bislang von ihnen geleisteten Diensten noch nie in Berührung gekommen sind.

„Doch auch für die Kirche wird sich Einschneidendes ändern. Ihr wird etwas fehlen, das ihr heute noch nicht bewusst ist“, betont Mayrhofer, die den „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“ angehört. Andererseits würden Ordensfrauen künftig in neuer Weise präsent sein, stimmlosen Menschen ihre Stimme verleihen und sich zu Wort melden zu Themen, „bei denen man nicht erwartet hätte, dass eine Klosterschwester auch etwas dazu zu sagen hat“.

KAP