Indonesien: Schließung nichtislamischer Stätten
Als offizieller Grund für die Schließungen von neun christlichen Zentren und sechs buddhistischen Tempeln wurde angegeben, dass die Einrichtungen auf der Insel Sumatra keine Zulassung besessen hätten, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin der Provinzhauptstadt Banda Aceh, Illiza Sa’aduddin Djamal, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Tatsächlich sei es jedoch nach Beschwerden der Gruppe „Islamische Verteidigerfront“ (FPI) zu dem Schritt gekommen, so die Bürgermeisterin.
Spannungen und Drohungen
Die buddhistischen und christlichen Stätten seien bereits in der vergangenen Woche geschlossen worden, sagte Djamal. Die Behörden in Banda Aceh hätten keinen Ärger „wegen dieser illegalen Aktivitäten“ gewollt. „Es gab einige Spannungen, bevor wir die Entscheidung getroffen haben“, sagte Sa’aduddin Djamal.

dapd/Slamet Riyadi
Buddhisten sind in Indonesien mit nur einem Prozent an der Bevölkerung eine Minderheit.
Nico Tarigan, der Leiter einer der christlichen Stätten sagte, die FPI habe sein Gebäude im Juni angegriffen und per SMS Drohungen verschickt. Der Leiter des Christlichen Kommunikationsforums in Indonesien, Theophilus Bela, habe daraufhin die Zentralregierung in der Hauptstadt Jakarta zum Eingreifen aufgefordert. Ein Sprecher des Innenministeriums habe jedoch mitgeteilt, dass die Behörden nicht einschreiten würden, weil die Gotteshäuser keine Lizenz besäßen, so Theophilus Bela.
In der Provinz Aceh gilt seit 2001 die Scharia, während die Menschen im Rest des Landes überwiegend einem moderaten Islam anhängen. Indonesien ist mit rund 240 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt.
AFP
Publiziert am 23.10.2012