Petition aus Österreich gegen Sterbehilfe in Belgien

Eine europaweite Petition, die von einem katholischen Aktivistenehepaar aus Wien initiiert wurde, hat in zwei Wochen mehr als 200.000 Onlineunterschriften gegen das neue belgische Sterbehilfegesetz gesammelt.

Die Petition wird am Donnerstag in Brüssel übergeben. Adressat der Unterschriftenaktion ist das belgische Staatsoberhaupt König Philippe. Er wird in der Petition ersucht, seine Zustimmung zum Gesetz über die Ausweitung der Sterbehilfe auf Kinder zu verweigern.

Initiiert wurde die Petition von Gudrun und Martin Kugler aus Wien. Das Ehepaar ist seit Jahren auf verschiedenen Ebenen in der Öffentlichkeitsarbeit tätig und macht sich für meist konservativ-katholische Positionen stark. Gudrun Kuglers Kandidatur für die ÖVP bei den Wiener Kommunalwahlen im Jahr 2005 sorgte für Kritik, weil extreme Abtreibungsgegner-Organisationen sie dabei unterstützten. Das Ehepaar betreibt außerdem die katholische Online-Heiratsbörse „kathtreff.org“ sowie das „Europäische Dokumentationsarchiv für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen“.

Die Petition gegen das belgische Sterbehilfegesetz wurde vor knapp zwei Wochen über die offene Plattform „CitizenGo“ gestartet, die sich für den Schutz der Menschenwürde unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand einsetzt. „Majestät, bitte unterzeichnen Sie das Kinder-Euthanasie-Gesetz nicht!“, heißt es in dem Appell.

„Dürfen nicht tatenlos zusehen“

Das Ehepaar Kugler zeigte sich am Mittwoch in einer Aussendung mit der starken Mobilisierung zufrieden: „Die Beteiligung von Menschen aus mehr als 20 verschiedenen Ländern zeigt die Intensität des Schocks, der Europa erfasste, nachdem das belgische Parlament das Kinder-Euthanasie-Gesetz beschlossen hatte. Für die Leidenden zu sorgen, gegen jede Hoffnung und aus Liebe, ist ein Eckstein der zivilisierten Welt - das, was uns wahrhaft menschlich macht. Wir dürfen der Erosion dieses Prinzips nicht tatenlos zusehen.“

Als Grund für ihr Engagement führen Gudrun und Martin Kugler an: „Das ist nicht nur ein belgisches Gesetz, es betrifft alle in Europa - und hat sogar weltweit Einfluss. Das gibt uns allen das Recht, unsere Stimme zu erheben zu einem Thema, das nur auf den ersten Blick als ein rein belgisches Problem erscheint.“

„Hören Sie auf Ihr Gewissen!“

„Als besorgte Bürger Europas ersuchen wir Sie, dieses Gesetz nicht zu unterschreiben, auch wenn Sie dafür in der Öffentlichkeit gerade stehen müssen“, heißt es in dem Brief an den belgischen Monarchen. „Sagen Sie nicht Ja zum erschreckendsten Euthanasiegesetz weltweit.“ Und weiter: „Hören Sie auf Ihr Gewissen und zeigen Sie sich als Monarch mit ethischen Prinzipien. Zeigen Sie sich der Herausforderung würdig, für die Sie ein Leben lang vorbereitet worden sind.“

Die Initiatoren geben zu, dass es ein sehr schwieriger Schritt für den König wäre, das Gesetz nicht zu unterzeichnen, und dass seine Verweigerung das Gesetz möglicherweise gar nicht stoppen würde. Trotzdem solle der König diesen Schritt setzen.

„Die Bedeutung eines solchen Zeichens ist nicht zu unterschätzen, auch wenn die unmittelbaren politischen Konsequenzen unter Umständen gering sind“, so Martin und Gudrun Kugler in ihrer Aussendung. „Der König hat hier die Chance, die Menschwürde für die ganze Welt hochzuhalten und ein leuchtendes Beispiel zu geben. Kinder, und noch mehr die schwächsten unter ihnen, sollen vor Entscheidung geschützt werden, die sogar ihre Eltern bei weitem übersteigen.“

religion.ORF.at/KAP

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