Wege aus dem Reformstau

„Päpste im derzeitigen Sinn“ wird es künftig nicht mehr geben. Das schreibt der Theologe Wolfgang Bergmann in „Die letzten Päpste“. Aus seiner Sicht vollzieht das Papsttum einen Paradigmenwechsel. Das Priestertum der Frau etwa sei „eine Frage der Würde“.

Allfällige Fragen, die der Titel aufwerfen könnte, beantwortet der Autor, katholischer Theologe, Ex-Pressesprecher der Caritas, Ex-Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und heute im Vorstand der Standard Medien AG, gleich im Vorwort: „Päpste im derzeitigen Sinn“ werde es künftig nicht mehr geben.

Der „letzte Monarch“ der römisch-katholischen Kirche sei wohl Papst Benedikt XVI. gewesen, Franziskus („der Mystiker mit Potenzial“) habe – wie schon Johannes Paul II. und in Ansätzen auch Benedikt – zum Nachdenken über das Amt aufgefordert, das eine „ökumenisch anerkannte Form“ finden möge. Und auch wenn Konkretes in diese Richtung noch nicht sichtbar geworden sei: „Das Papsttum vollzieht gerade einen fundamentalen Paradigmenwechsel.“

Priestertum der Frau

Aber Bergmann nimmt nicht nur das päpstliche Amtsverständnis in den Blick, sondern erörtert an Beispielen „Entwicklungslinien, denen sich die Kirche nicht entziehen wird können“.

Buchcover von Wolfgang Bergmanns "Die letzten Päpste"

Czernin Verlag

Buchhinweis

Wolfgang Bergmann: Die letzten Päpste. Ein theologischer Neustart für die Kirche. Czernin Verlag, 136 Seiten, 19,90 Euro

Das Priestertum der Frau sei „eine Frage der Würde“, der priesterliche Pflichtzölibat stelle „Willkür vor Menschlichkeit“ und sei – durch zahlreiche Ausnahmeregelungen, etwa für verheiratete anglikanische Priester, die zur römisch-katholischen Kirche wechseln – de facto ohnehin bereits abgeschafft.

Eine „Entmächtigung der Hierarchie“ sei überfällig: „Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Jesus, der gegen die damalige priesterliche Hierarchie auftrat, in der Folge von einer neuen Priesterkaste monopolisiert wurde.“

Theologischer Neustart

Hoffnungen setzt Wolfgang Bergmann in einen „theologischen Neustart“, der mit einem „Zurück zu einer einfachen Theologie“ untrennbar verbunden sei: „Ein Gott, der Theologen braucht, hat möglicherweise ein Kommunikationsproblem“, formuliert der Autor pointiert. Und bricht dann doch eine Lanze für eine „redliche Theologie“, der es möglich gemacht werden müsse, als „kritisches Gegenüber zur kirchlichen Praxis“ wissenschaftlich frei zu arbeiten.

Wege zu Gott gibt es „so viele, wie es Menschen gibt“, zitiert Bergmann im Schlussteil des Buches einen beinahe in Vergessenheit geratenen Satz des frühen Joseph Ratzinger, später Papst Benedikt XVI. Die Analysen des Autors sind pointiert, seine Schlussfolgerungen vom Optimismus eines kritisch-gläubigen und hoffenden Katholiken geprägt.

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