Umweltenzyklika kindgerecht erklärt

Für Kinder und die, die ihnen vorlesen, hat der Journalist und Buchautor Hubert Gaisbauer die Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus für junge Menschen erklärt.

„Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“ Dieses Zitat aus der vor fast genau einem Jahr vorgestellten Enzyklika „Laudato si“ hat Gaisbauer seinem Buch als Vorwort vorangestellt. Sie sind es, die es auch und vor allem betrifft: Die Kinder, die jetzt heranwachsen, müssen mit den Folgen der Entscheidungen, die Erwachsene heute treffen, leben.

Buchcover Hubert Gaisbauer: Ein Brief für die Welt

Tyrolia Verlag

Buchhinweis

Hubert Gaisbauer: Ein Brief für die Welt. Die Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus für Kinder erklärt. Tyrolia, 106 Seiten, 14,95 Euro. Ab neune Jahren

Das Buch hat die Form von Briefen an Gaisbauers Enkelin Caro, die unterschiedliche Themen verfolgen und kindgerecht in Geschichten und Beispiele verpacken. Dabei geht der Autor auch in die Tiefe und erklärt Hintergründe, die auch für viele Eltern neu sei dürften.

Was heißt Enzyklika?

Dem Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi etwa wird viel Platz eingeräumt, und gleich zu Anfang wird auch das Fremdwort „Enzyklika“ erläutert. Zum Greifbar- und Verständlichmachen so sperriger Themen wie Ökologie, Klimawandel und Verteilungsungerechtigkeit zieht der Autor zum Beispiel das Märchen von der Bienenkönigin heran.

Alltägliche Situationen wie das Trinken von Wasser direkt aus dem Hahn und den Kauf einer Jeans nimmt Gaisbauer zum Anlass, für Kinder nachvollziehbare ökologische und ökonomische Prozesse bildhaft darzustellen: Wie viel vom Kaufpreis bleibt denen, die die Hose herstellten? Was meint Franziskus, wenn er vom Kaufen als „einer moralische Handlung“ schreibt? Die Notwendigkeit, mit natürlichen Ressourcen sorgsam umzugehen, skizziert er im Kapitel „Gib den Dingen eine zweite Chance!“ Auch von Krieg und Flüchtlingsleid handelt das Buch - und davon, dass ein Smartphone manchmal überlebensnotwendig sein kann.

Was ein Kind tun kann

Als ein Beispiel, wie auch ein Kind etwas zum Besseren verändern kann, erzählt Gaisbauer die Geschichte der elfjährigen New Yorkerin Olivia Bouler. Bewegt von den Qualen Hunderttausender Vögel, die durch die Folgen einer menschenverschuldeten Ölpest im Golf von Mexiko verendeten, malte sie Vogelbilder. Mit Hilfe des örtlichen Tierschutzvereins konnte sie Tausende davon zugunsten der Tierrettung verkaufen, ein Buch entstand, und das Projekt wurde landesweit bekannt.

Was die oder der Einzelne tun kann, um die Lage von Tieren, Umwelt und Mitmenschen zu verändern, ist für Kinder besonders wichtig: So klein, schwach und machtlos sie sind, können sie doch einen Teil beitragen, will das Buch vermitteln. Dadurch bleibt es, obwohl es Dinge wie Massentierhaltung nicht beschönigt, hoffnungsvoll: „Wir, Caro, du und ich, wir können sicher nicht alle Tiere freikaufen. Auch der Papst kann das nicht. Aber eines können wir zum Beispiel tun: immer wieder mal auf Fleisch verzichten.“

Viel Diskussionsstoff

Begleitet werden die Texte von Zeichnungen der Grafikerin Leonora Leitl. Hübsch gestaltet ist das Design des Buches mit bunten Überschriften und durch farbige Rahmen hervorgehobene Einschübe, in denen zum Beispiel mehr über Franz von Assisi und Papst Franziskus erzählt wird.

Das Buch versteht sich aus einer gläubigen, katholischen Tradition heraus; für nicht sonderlich gläubige Eltern sind einige Passagen vielleicht zu fromm geraten. Doch die Perspektive des Autors ist eine ausgesprochen subjektive: Es richtet sich ein Großvater an sein Enkelkind, was dem Buch einen sehr persönlichen Anstrich gibt. Und „Ein Brief für die Welt“ ist ohnehin dazu gedacht, Anstöße zum Nachdenken, Hinterfragen und (natürlich mit den Kindern) Diskutieren zu geben - über Gott und die Welt.

Johanna Grillmayer, religion.ORF.at

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