Die besten Bücher zum Reformationsjahr

Im kommenden Jahr wird der 500. Jahrestag der Reformation begangen, eifrig publiziert wird zum Thema jetzt schon. Martin Luther und seine Zeitgenossen, die Reformation und ihre Auswirkungen auf die Welt geben Stoff für viele neue Bücher.

Ein Luther aus Fleisch und Blut

Die Oxford-Professorin Lyndal Roper legte mit „Der Mensch Martin Luther“ (englischer Titel: „Martin Luther: Renegade and Prophet“) eine vielbeachtete Biografie vor. Für die australisch-britische Historikerin sind nicht nur Daten und Fakten wichtig, sondern alles, was man über eine Person, deren familiären Hintergrund, ihre Beziehung zu anderen Menschen, die Obsessionen, Traumata und selbst kleine bis große körperliche Zipperlein weiß. Ropers Luther ist alles andere als ein Heiliger, er tritt dem Leser als Mensch aus Fleisch und Blut gegenüber.

Lyndal Roper: Der Mensch Martin Luther. S. Fischer, 736 Seiten, 28,80 Euro

Willi Winklers „deutscher Rebell“

Für ihn ist Martin Luther eine „einzigartige Figur der europäischen Geschichte“. Der Publizist und Sachbuchautor Willi Winkler hat die 640 Seiten umfassende Biografie „Luther“ vorgelegt, die den Untertitel „Ein deutscher Rebell“ trägt. Winkler ging es nach Angaben des Rowohlt Verlages darum, „den ganzen Luther in den Blick zu nehmen, ihn als den Mann zu zeigen, der seine Welt vom Kopf auf die Füße gestellt hat“.

Willi Winkler: Luther. Ein deutscher Rebell. Rowohlt, 640 Seiten, 30,80 Euro

„Rebell“ Luther

Neu aufgelegt zum Start des Reformationsgedenkens wurde „Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs“ von Heinz Schilling, Professor für Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin, im C.H.Beck Verlag. Schilling „stellt Luther in seine Zeit und schildert ihn nicht als einsamen Helden, sondern als Rebell in einem gewaltigen Ringen um die Religion und ihre Rolle in der Welt“, beschreibt der Verlag das Buch.

Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. C.H.Beck, 728 Seiten, 30,80 Euro

Reformation „auf neuestem Forschungsstand“

In „Erlöste und Verdammte“ erzählt der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann von der Universität Göttingen nach Angaben des Verlages C.H.Beck die Geschichte der Reformation „auf dem neuesten Forschungsstand“. Kaufmann, der auch Vorsitzender des Vereins der Reformationsgeschichte ist, zeige eindrucksvoll, wie ganz Europa durch das Beben der Reformation umgestaltet wurde und welche Nachbeben die Reformation bis heute auslöst.

Thomas Beck: Erlöste und Verdammte. C.H.Beck, 508 Seiten, 27,80 Euro

Luther-Denkmal in Hannover

APA/dpa/Holger Hollemann

Superstar Luther: Zahlreiche Neuerscheinungen widmen sich dem Reformator

Im Suhrkamp Verlag erschien jetzt auch die überarbeitete Neuauflage „Geschichte der Reformation in Deutschland“ vom selben Autor. Das zuerst 2009 im Verlag der Weltreligionen veröffentlichte Buch wurde nach Suhrkamp-Angaben für die Neuausgabe aktualisiert und um einen Epilog erweitert, der unter anderem auf die Geschichte der Reformationsjubiläen zurück- und auf das Lutherjahr 2017 vorausblickt.

Thomas Beck: Geschichte der Reformation in Deutschland. Suhrkamp, 1.038 Seiten, 28,80 Euro

Einblick ins Private: Luthers Tischreden

In der Insel-Bücherei sind „Tischreden“ von Martin Luther erschienen. Der Schriftsteller Christian Lehnert wählte aus den Mitschriften von Zeitgenossen des Reformators zahlreiche Reden aus, die nach Angaben des Insel Verlages Themen wie Gotteserfahrung und Teufelsbegegnungen, die Konflikte mit Papst, Schwärmern und Bauern aufgriffen. Lehnert habe diese Reden auch durch Anmerkungen und ein Nachwort erschlossen. Michael Triegel, einer der bekanntesten religiösen Künstler in Deutschland, schuf eigens für das Bändchen zwölf Bilder.

Christian Lehnert: Luthers Tischreden. Insel, 139 Seiten, 14,40 Euro

Rebellischer Mönch, entlaufene Nonne

Christian Nürnberger und Petra Gerster haben mit „Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten. Martin Luther“ ein sehr leicht lesbares, an junge Leserinnen und Leser gerichtetes Luther-Buch geschrieben. Das im Thienemann-Esslinger-Verlag erschienene Buch ist mit lebhaften Illustrationen von Irmela Schautz versehen, die witzige Vergleiche zur Gegenwart vorschlagen. Empfohlen ist es ab 13 Jahren, es ist aber auch für Erwachsene nicht langweilig, sondern kann ein einfacher Überblick in die Geschichte des Reformators sein. Viel Platz wird hier Luthers Ehefrau, Katharina von Bora, eingeräumt.

Christian Nürnberger, Petra Gerster: Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten, Martin Luther. Gabriel, 208 Seiten, 15,50 Euro

Comic erzählt Luthers Leben

Der Historiker Thomas Dahms und der Zeichner Tobias Wagner fassen die Geschichte des Reformators Martin Luther auf 40 Seiten zusammen. Alle Figuren und Fakten seien historisch belegbar, so Dahms bei der Buchvorstellung in Luthers Geburtsstadt Eisleben. Von der Geburt über die Ausbildung bis hin zu Luthers berühmten 95 Thesen im Jahr 1517 erzählt der Comic. Zudem ist er mit Stadtansichten von Luthers Stationen in Wittenberg, Erfurt, Eisleben und Braunschweig illustriert.

Thomas Dahms, Tobias Wagner: Zu Tisch bei Luthers in Wittenberg. Ostfalia, 40 Seiten, 14,90 Euro

Luther und Rom

Zwei Kenner der Materie haben sich praktisch gleichzeitig mit dem Thema Luther und Rom beschäftigt - allerdings aus verschiedenen Blickwinkeln. Der Tübinger Kirchenhistoriker Volker Leppin zeigt in „Die fremde Reformation: Luthers mystische Wurzeln“ - vornehmlich aus deutscher Sicht - die theologischen wie politischen Wurzeln auf, aus denen heraus Luther argumentiert.

Volker Leppin: Die fremde Reformation: Luthers mystische Wurzeln. C.H.Beck, 247 Seiten, 22,60 Euro

Volker Reinhardt von der Universität Fribourg (Schweiz) nimmt in „Luther, der Ketzer. Rom und die Reformation“ mit vatikanischen Quellen zur Causa Luther einen eher römischen Blickwinkel ein. Das ändert nichts an der Grundkonstellation - hier die absolutistischen, kirchlichen Renaissance-Fürsten in Rom, dort der rebellische Wittenberger und seine Anhänger. Aber gerade der Abgleich beider Blickwinkel ist interessant und bringt über die Streitparteien hinaus etliche neue Einsichten in das für Theologie und Kirche so konfliktreiche 16. Jahrhundert.

Volker Reinhardt: Luther, der Ketzer. Rom und die Reformation. 352 Seiten, 25,70 Euro

Über den Tellerrand: Protestanten im Gespräch

Über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus begeben sich zwei Protestanten im Vorfeld des Reformationsjubiläums. Margot Käßmann und Heinrich Bedford-Strohm sprechen in einem neuen Buch mit Vertretern aus anderen Religionen, Politik und Medien. „Was uns der Glaube heute zu sagen hat“ ist der Untertitel des im Aufbau Verlag erschienen Buches „Die Welt verändern“.

Die Botschafterin des Reformationsjubiläums 2017, Käßmann, und der Ratsvorsitzende der Evangelische Kirche in Deutschland, Bedford-Strohm, beschäftigen sich aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums in Streitgesprächen mit der Bedeutung des Glaubens und der Institution Kirche in der Gegenwart.

Margot Käßmann, Heinrich Bedford-Strohm: Die Welt verändern. Was uns der Glaube heute zu sagen hat. Aufbau, 304 Seiten, 22 Euro

Melanchthon: Vermittler der Reformation

Dem wohl wichtigsten Lebensgefährten Martin Luthers widmet sich der Historiker Heinz Schaible. „Melanchthon - Vermittler der Reformation“ ist der Titel der Biografie des langjährigen Leiters der Melanchthon-Forschungsstelle. Er hat sein Buch über den großen Humanisten für diese Neuausgabe umfassend überarbeitet und erweitert, wie der Verlag C.H.Beck mitteilte. Scheible zeichne auf der Grundlage einer einzigartigen Quellenkenntnis Melanchthons Leben nach, erkläre seine Bedeutung als Bildungsreformer, Philosoph, Theologe und politischer Unterhändler und gehe dem wechselvollen Verhältnis zu Luther nach. Die Erstausgabe ist 1997 im selben Verlag erschienen.

Heinz Schaible: Melanchthon - Vermittler der Reformation. C.H.Beck, 445 Seiten, 28,80 Euro

Nachdruck der Luther-Bibel

Die Luther-Bibel von 1534 aus der Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek wurde vor gut einem Jahr neben anderen Schriften des Reformators von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt. Es ist eine prächtige Ausgabe mit fast 130 Holzschnitten und Bildinitialen aus der Werkstatt von Lucas Cranach. Sie wurde jetzt vom Kölner Taschen Verlag in zwei Bänden nachgedruckt. Als Beilage gibt es „eine kulturhistorische Einführung“ des Mainzer Buch- und Medienwissenschaftlers Stephan Füssel.

Stephan Füssel: Die Luther-Bibel von 1534. Taschen, 1.904 Seiten, 39,99 Euro

religion.ORF.at/dpa

Mehr dazu:

  • „Hört die Signale“ bei Osterfestival „Imago Dei“
    Das Osterfestival „Imago Dei“ in Krems hat sich heuer, im 500. Jahr der Reformation und im 100. Jahr der Russischen Revolution, das Motto „Hört die Signale“ vorangestellt.
  • Sommertheater mit Jesus und Judas
    Zwei Antagonisten der neutestamentlichen Heilsgeschichte - Jesus und Judas - stehen im Mittelpunkt zweier Produktionen im Rahmen des sommerlichen Theaterfestes Niederösterreich.
  • Maria Theresia und das sakrale Österreich
    Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg widmet sich 2017 in seiner Jahresausstellung der kirchlichen Kultur der Epoche Maria Theresias und dem Verhältnis der Monarchin zu Kirche und Glauben.
  • Jüdisches Filmfestival: Purim-Fest und Frauenrechte
    Fünf Filme stehen auf dem Programm des Jüdischen Filmfests im Frühling, das von 12. bis 15. März anlässlich des Internationalen Frauentags und des Purim-Fests im Votiv- und DeFrance-Kino in Wien über die Bühne geht.
  • Konversion: Tagung zu Religionswechsel
    Ein Wechsel der Religionszugehörigkeit ist eine persönliche Angelegenheit. Trotzdem war und ist diese Entscheidung eng mit aktuellen, politischen und gesellschaftlichen Umständen verknüpft.
  • Gesprächsreihe: Was Prominente glauben
    Der Frage, was Menschen aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Kunst glauben geht die Gesprächsreihe „2017 – Glaube im Gespräch“ nach. Die Veranstaltung ist Begleitprogramm zur aktuellen Ausstellung „Brennen für den Glauben. Wien nach Luther“.
  • Islam-Ausstellung auf der Schallaburg
    Öffentliche Gastvorträge geben im Vorfeld einer Ausstellung über den Islam auf der Schallaburg Einblicke in das Thema und in verschiedene Zugänge zu Kultur und Dialog.
  • Das evangelische Wien zwischen zwei Buchdeckeln
    Pünktlich zum Start in das Reformationsjubiläumsjahr 2017 erscheint am Donnerstag im Falter Verlag das 208-seitige Buch „So evangelisch ist Wien“. Präsentiert wird es in einer Kirche in Wien-Simmering.
  • Biografie: Luthers Brüche und Widersprüche
    Er schätzte Sex und fürchtete den Teufel, er war ein Fackelträger der Neuzeit und zugleich ganz und gar ein Mensch des Mittelalters: Martin Luther (1483-1546), der Widersprüchliche. So lernt man den Reformator in Lyndal Ropers Buch „Der Mensch Martin Luther“ kennen.
  • Hinter dem Vorhang, vor dem Schleier
    Dem „vielfältigen Themenspektrum von Verhüllung und Enthüllung in der Kunst“ mit einer Werkauswahl von der Antike bis heute widmet sich das Düsseldorfer Museum Kunstpalast.