Bischof: Vatikanische Revolution unumkehrbar

Papst Franziskus hat nach den Worten des deutschen Kurienbischofs Josef Clemens (69) im Vatikan „eine wahre Revolution“ ausgelöst, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Etwas Vergleichbares habe es „seit Jahrhunderten an der Kurie nicht mehr gegeben“, sagte der langjährige Privatsekretär von Kardinal Joseph Ratzinger mit langer Kurienerfahrung im Vatikan am Donnerstag zu einer ökumenischen Delegation aus Kärnten unter der Leitung des Bischofs von Gurk-Klagenfurt, Alois Schwarz, und des evangelisch-lutherischen Superintendenten Manfred Sauer. Die Teilnehmer gingen unter anderem „auf den Spuren Luthers in Rom“.

Kurienbischof Josef Clemens

kathbild/Franz Josef Rupprecht

Kurienbischof Josef Clemens

Papst ein „Schrittmacher“

Besonders setze der Papst auf eigenständige Initiativen der Laien, sagte Clemens, der bis September des Vorjahres in den Päpstlichen Räten für die Laien und die Familie tätig war - welche dann in das Dikasterium für Laien, Familie und Leben übergeführt wurden. Franziskus setze auf „Begleitung durch das Amt statt auf das Amt als Motor“, sagte der Kurienbischof.

Auch in zahlreichen anderen Bereichen sei der Papst ein Schrittmacher, allen voran in der Ökumene: Während hier „die meisten anderen“ hinter dem Pontifex „eher hinterherlaufen“ würden, gehe er hier mit dem eigenen Beispiel voran, sagte der Kurienbischof.

Nachhaltige Vorgaben durch Vorbildwirkung

Bei der Evangelisierung setze der Papst zuerst auf das „Zeugnis des Lebens“, dem er „wenn nötig“ Worte hinzufüge. Was der Papst „in großer Klarheit und Direktheit“ vorgebe und vorlebe, könne durch keinen Nachfolger mehr rückgängig gemacht werden, „bestenfalls in einigen Äußerlichkeiten“, so die Überzeugung von Clemens.

Sorge äußerte der Bischof darüber, dass viele Menschen Franziskus nicht verstehen würden, selbst wenn sie ihm wohlgesonnen seien. Er beobachte eine „innere Sperre, das eigentliche Anliegen des Papstes anzunehmen“. Als Beispiel nannte Clemens italienische Fans, die vom Papst „schockiert“ gewesen seien, nachdem er ihren Ruf „Viva il Papa!“ korrigiert habe mit „Nicht: es lebe der Papst. Es lebe Jesus Christus!“

Kärntner Geistliche trafen Papst

Papst Franziskus selbst waren die Kärntner Teilnehmer der Ökumene-Romreise aus Anlass des Reformationsjubiläums am Mittwoch bei der Generalaudienz begegnet. Der Papst hatte sich dabei mit eigenen Worten an die Pfarrer-Gruppe gewandt und sie dazu aufgerufen, zu Kanälen der Hoffnung für alle Menschen zu werden, einander Trost zu schenken und Stütze zu sein.

Weiters besuchte die Kärntner Abordnung die österreichische Botschaft beim Heiligen Stuhl, wo sie von Botschafter Alfons Kloss empfangen wurde; sie trafen den Einheitsrats-Präsidenten Kardinal Kurt Koch und waren Gast in der „Anima“, die seit über 700 Jahren die Pfarrkirche für deutschsprachige Pilger in Rom und Sitz eines Priesterkollegs.

Rektor Franz Xaver Brandmayr führte durch die Bibliothek und die restaurierte Kirche nahe der Piazza Navona und erläuterte ihre Rolle in der Geschichte und Gegenwart. Martin Luther habe 1511 in Rom in der Nähe dieser Kirche gewohnt und sie unter allen Kirchen Roms als „die beste“ gelobt, sagte der Priester der Erzdiözese Wien. Auf dem weiteren Programm der Ökumenischen Romreise stand noch eine Liturgiefeier in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern, ein Innenstadtrundgang auf den Spuren Luthers und ein ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche in der Via Sicilia.

religion.ORF.at/KAP