Führung der Kirche im Heiligen Land neu besetzt

Die Schlüsselpositionen der Kirche im Heiligen Land sind neu besetzt worden. Der Weihbischof Giacinto-Boulos Marcuzzo (72), seit 1993 Patriarchalvikar für Israel mit Sitz in Nazareth, wechselt als Generalvikar ins Lateinische Patriarchat nach Jerusalem.

Die Veränderungen teilte der Jerusalemer Apostolische Administrator Erzbischof Pierbattista Pizzaballa am Mittwoch in einem Schreiben an seinen Klerus mit. Der bisherige Amtsinhaber, Weihbischof William Shomali (67), war im Februar als Generalvikar nach Amman versetzt worden.

Der neuernannte Apostolische Administrator des Lateinischen Patriarchats, Pierbattista Pizzaballa (51).

APA/AP/Riccardo

Pierbattista Pizzaballa teilte die Veränderungen in den Führungspositionen mit

Teil eines Gesamtrevirements

Patriarchalvikar für Israel wird der jordanische Pfarrer Hanna Kildani (62) aus Amman. Auch die Stellen des Kanzlers im Patriarchat und der Leitung des Priesterseminars werden neu besetzt. Die Personalien sind Teil eines Gesamtrevirements. Shomalis Vorgänger in Jordanien, Maroun Elias Lahham (68), war im Februar ohne Mitteilung von Gründen zurückgetreten.

Die Verantwortung der Finanzverwaltung des Patriarchats übernimmt Erzbischof Pizzaballa den Angaben zufolge selbst. Als operativen Manager setzte er mit Sami al-Yousef einen Laien ein. Dem bisherigen Finanzleiter, dem Priester Imad Twal, dankte der Erzbischof für seinen großen Einsatz in dieser „nicht beneidenswerten und undankbaren Position“.

Schwierige religiöse, politische und kirchliche Struktur

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreut die rund 60.000 bis 70.000 römisch-katholischen Christen im Heiligen Land. Seine Jurisdiktion erstreckt sich über das Staatsgebiet von Israel, Jordanien, Zypern und die Palästinensischen Gebiete.

Die religiöse, politische und kirchliche Situationen ist in den verschiedenden Teilen des Patriarchats mit arabischen Christen, katholischen Migranten und jüdischen Konvertiten völlig unterschiedlich, weshalb die Organisation als extrem schwierig gilt. In den vergangenen Jahren hatte der Palästinenser Michel Sabbah (1987-2008) und dann der Jordanier Twal (2008-2016) das Patriarchat geleitet.

Wegbereiter für einen zukünftigen Patriarchen

Angesichts mancher Differenzen zwischen dem Klerus rechts und links des Jordans war spekuliert worden, ob nicht wieder ein „neutraler“ Italiener das Amt übernehmen sollte. Auch über finanzielle Probleme wurde in den vergangenen Jahren geredet.

Der Italiener Pierbattista Pizzaballa (52) lehnte offenbar eine Ernennung als Patriarch ab. Er sieht sein Amt als Apostolischer Administrator (seit Juli 2016) als eine temporäre Lösung. Seine Hauptaufgabe müsse sein, den Weg für einen künftigen Patriarchen vorzubereiten.

Die Ursprünge des Patriarchats liegen in der Zeit der Kreuzfahrer, die sich als „Lateiner“ bezeichneten. Es erlosch jedoch mit dem Fall Akkos 1291. Im Jahr 1847 belebte Papst Pius IX. das Patriarchat neu. Bis 1987 waren alle Amtsinhaber Italiener.

Einwanderung nichtjüdischer Arbeitsimmigranten

In den vergangenen 20 Jahren gab es eine wachsende Einwanderung nichtjüdischer Arbeitsimmigranten nach Israel, die zum Teil in Zeiten der Intifada palästinensische Arbeiter ersetzten. Darunter sind Katholiken aus Rumänien, Sri Lanka, den Philippinen oder aus afrikanischen Ländern.

Im Heiligen Land gibt es zudem zahlreiche katholische Ordensniederlassungen mit mehr als 1.000 weiblichen und rund 500 männlichen Ordensleuten. Die geistlichen Gemeinschaften unterhalten viele Werke in den Bereichen Bildung und Gesundheitsvorsorge. Die rund 40 Bildungseinrichtungen des Lateinischen Patriarchates umfassen Kindergärten, Grund- und Oberschulen.

religion.ORF.at/KAP

Mehr dazu: