Bosnien: Kirche warnt vor Abwanderung von Katholiken

Bosniens Bischöfe schlagen Alarm: Wegen sozialer, politischer und wirtschaftlicher Problemen sinke die Zahl der Katholiken rapide, sagte Kardinal Vinko Puljic zum Abschluss der Vollversammlung der bosnischen katholischen Bischofskonferenz.

Wenn es so weiter gehe, dann werden in Kürze fast keine katholischen Christen mehr in Bosnien leben, wurde Puljic am Sonntag von Kathpress zitiert. Kathpress berief sich auf einen Bericht der Stiftung „Pro Oriente“ von der Vollversammlung. Die Mehrheit der Christen im Land stellen nach wie vor serbisch-orthodoxe Gläubige.

„Internationaler Einsatz“ gefordert

Unterstützung erfuhr Puljic vom Bischof von Banja Luka im serbischen Landesteil von Bosnien-Herzegowina, der Republika Srpska, Franjo Komarica: Ohne einen „seriösen internationalen Einsatz“ würden die Katholiken bald gänzlich aus Bosnien verschwinden, sagte Komarica, ohne allerdings genauer zu skizzieren, wie ein solcher Einsatz aussehen müsste.

Die größten Herausforderung in dem vom Balkankrieg der 1990er Jahren geprägten Land seien weiterhin das friedliche Zusammenleben zwischen den verschiedenen Ethnien sowie die Förderung der Menschenrechte für alle. Positiv bewerteten die Bischöfe den Einsatz der Caritas in Bosnien. Sie helfe allen und sei diesbezüglich sehr erfolgreich.

Mostar

ORF/Martin Cargnelli

Die Stadt Mostar ist weiterhin eine geteilte Stadt: kroatisch im Westen, bosniakisch im Osten

„Böswillige Strategie im Land“

Kardinal Pulji, der auch Vorsitzender der bosnischen katholischen Bischofskonferenz ist, sagte, dass es „eine böswillige Strategie im Land gebe, die zum Ziel habe, den Hass zu schüren und vor allem die Kirche zum Schweigen zu bringen“.

Dies sei nicht hinnehmbar. Als Beispiel verwies er auf Vorwürfe gegen Bischof Komarica. Diesem wurde zuletzt zur Last gelegt, beim Wiederaufbau von Häusern von ausgewanderten Bosniern illegal mitgewirkt zu haben. Bischof Komarica sei aber „ein Vorbild für Gerechtigkeit und für die Hilfe an Bedürftigen“, so Kardinal Pulji.

Neben den sozialen und ethnischen Spannungen ist vor allem die wirtschaftliche Situation ein großes Problem: Die Arbeitslosenrate liegt bei 40 Prozent. Viele Familien und Jugendliche lebten in prekären Verhältnissen. Deshalb wolle die katholische Kirche in Bosnien die Tätigkeit der Caritas weiter stärken. Das Risiko, dass viele auswanderten, bliebe dennoch hoch. Die Mischung aus sozialen Spannungen und wirtschaftlichen Problemen führe dazu, dass vor allem die Katholiken das Land verließen.

religion.ORF.at/KAP

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