„Haltlos“: IGGÖ kritisiert Muslimbruderschaft-Studie

Als Reaktion auf eine vergangene Woche veröffentlichte Studie über die Verbindungen der Muslimbruderschaft nach Österreich, weist die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) Vorwürfe der politischen Einflussnahme durch die Türkei zurück.

In der Studie „The Moslem Brotherhood in Austria“ des Extremismusforschers Lorenzo Vidino von der George Washington Universität wird in einem Absatz auch der Präsident der IGGÖ, Ibrahim Olgun, erwähnt. Er wird in Verbindung mit religiösen Organisationen in der Türkei beziehungsweise zu der islamischen Bewegung Milli Görüs gebracht. Erwähnt wird in dem Zusammenhang etwa, dass er in der Türkei studiert und für den türkisch-islamischen Verein ATIB gearbeitet hat.

IGGÖ ortet Einseitigkeit

Die IGGÖ übt nun Kritik und sieht den Präsidenten einseitig dargestellt: „Dass Präsident Olgun in der Türkei studiert hat, soll weder verschwiegen noch verschleiert werden. Es bleibt aber leider unerwähnt, dass eine islamisch-theologische Ausbildung zum Zeitpunkt des Studiums des Präsidenten der Glaubensgemeinschaft in Österreich gar nicht angeboten wurde, sondern im Wintersemester 2017/2018 an der Universität Wien angefangen hat“, heißt es in einer Aussendung der Glaubensgemeinschaft. Es stelle sich die Frage, „in welchem (Aus)Land eine islamisch-theologische Ausbildung opportun gewesen wäre“, heißt es weiter.

Ibrahim Olgun, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), am Montag, 19. September 2016, während einer Pressekonferenz in Wien

APA/Herbert Neubauer

Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Ibrahim Olgun

Auch kritisiert die IGGÖ, dass in dem Bericht zwar erwähnt werde, dass Olgun für ATIB tätig war, aber nicht, dass mit ihm „erstmals ein studierter Theologe“ und ein „in Österreich geborener, in Österreich aufgewachsener, in Österreich bis zur Matura ausgebildeter und sozialisierter Mensch zum Präsidenten der Glaubensgemeinschaft gewählt wurde“.

„Haltlose Negativpropaganda“

Der Vorwurf, dass die IGGÖ mit der Wahl des neuen Präsidenten Olgun unter dem politischen Einfluss der Türkei stünde, bezeichnet die IGGÖ als „eine haltlose Negativpropaganda“. Die Glaubensgemeinschaft befürworte zwar wissenschaftliche Studien über Muslime, aber plädiert für „besondere Besonnenheit und Vorsicht vor Diskreditierung und Diffamierung von namentlich genannten Personen und Einrichtungen“ in der öffentlichen Berichterstattung. Menschen könnten dadurch in ein schiefes Licht gebracht und „mitunter unwiederbringlicher Schaden angerichtet werden“.

Die Studie über die Verbindungen der Muslimbruderschaft nach Österreich entstand in Zusammenarbeit mit der Universität Wien (Institut für Orientalistik), unterstützt vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) sowie dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).

religion.ORF.at

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