Schicksal vertriebener Protestanten in Salzburg Museum

In einer neuen Ausstellung beleuchtet das Salzburg Museum ab Samstag das Schicksal von 22.000 Salzburgern, die 1731 und 1732 unter dem katholischen Fürsterzbischof Firmian aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Herzstück der rund 80 zur Schau gestellten Objekte sind Emigrationsmedaillen, auf denen die dramatische Flucht der Vertriebenen abgebildet ist. Das Museum in der Neuen Residenz habe es sich auch zur Aufgabe gemacht, auf Jubiläen, die für das Land Salzburg historisch bedeutend sind, zu reagieren, sagte Direktor Martin Hochleitner beim Presserundgang am Dienstag gegenüber Kathpress.

Medaillen, Druckgrafiken und Zeitdiagramme

Am 31. Oktober 2017 blickt die Geschichte auf 500 Jahre Reformation durch Martin Luther zurück, dessen 95 Thesen am 31. Oktober 1517 erstmals in Umlauf gebracht wurden. Welche weitreichende Folgen das für jene Salzburger hatte, die sich der lutherischen Glaubensbewegung angeschlossen haben, wird in einem Schauraum des Museums vor allem anhand von Bildern, Medaillen, Druckgrafiken und Zeitdiagrammen veranschaulicht. Die kleine Ausstellung wurde in die preisgekrönte Dauerausstellung „Mythos Salzburg“ räumlich integriert.

Eine Besonderheit und Schwerpunkt der Ausstellung, die am 28. Oktober eröffnet wird und bis 4. März 2018 dauert, sind Emigrationsmedaillen. Die Exponate dokumentieren die Fluchtbewegung und stammen großteils aus einer Sammlung des Salzburger Bankhauses Spängler. „Kein anderes Fluchtereignis wurde so oft auf Medaillen dargestellt“, sagte Erich Erker, Ausstellungskurator und Münzexperte des Bankhauses.

Tausende Salzburger mussten emigrieren

Vor 286 Jahren wurden Tausende Salzburger Protestanten zur Emigration gezwungen. Knechte und Mägde mussten laut Museums-Chefkurator Peter Husty das Land innerhalb von wenigen Wochen verlassen, Bürger mit Grundbesitz innerhalb von drei Monaten. Meist ließen sich die Grundstücke nicht verkaufen, die Eigentümer gingen völlig verarmt davon. „Es müssen sich viele Familiendramen abgespielt haben“, so Husty.

Ausstellungshinweis

„Reformation500 - Salzburg und der Protestantismus“ im Salzburg Museum, 28. Oktober 2017, 11.00 Uhr bis 4. März 2018. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 9.00 bis 17.00 Uhr.

Ein Sechstel der Landbevölkerung zog in ihrer typischen Tracht - Männer mit großen Hüten und Kniebundhosen - mit Karrenwägen oder zu Fuß unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit durch Deutschland in Richtung Ostpreußen und den Niederlanden. Der preußische König warb die Salzburger für neue Siedlungen auf seinem Gebiet an und schickte den Fluchtzügen Reiter entgegen. Diese begleiteten die Vertriebenen und zeigten ihnen den Weg - auf einer Landkarte sind die Fluchtrouten eingezeichnet. Die meisten Salzburger ließen sich in Ostpreußen nieder.

Erinnerungsstücke für Sammler

Stempelschneider haben die große Fluchtbewegung auf Gedenkmedaillen aus Gold, Silber, Kupfer und Zinn dargestellt. „Das waren Erinnerungsstücke für Sammler“, erläuterte Erker. Die sogenannten „Schraubmedaillen“, die in Augsburg und Nürnberg hergestellt wurden, weisen weit mehr als zwei Seiten der Medaille auf und sind innen hohl.

In dem Hohlraum befinden sich Serien von mindestens 17 kleinen Plättchen kolorierter Druckgrafiken. Zusammengelegt ergeben sie einen Zyklus der Geschichte des Protestantismus in Salzburg. „Die Bilderserien sind sicher eine der reizvollsten Zeugnisse des Protestantismus in Salzburg.“

Ausbreitung und Toleranzpatent

Einige Leihgaben der Ausstellung stammen auch aus der Evangelischen Pfarrgemeinde Christuskirche Salzburg, der Erzabtei St. Peter, dem Kapuzinerkloster Salzburg sowie aus Archiven der Erzdiözese und dem Landesarchiv Salzburg. Die Ausstellung thematisiert nicht nur die rasche Ausbreitung des Protestantismus und die Gegenmaßnahmen der damaligen Landesherrn in Salzburg, sondern auch das Toleranzpatent von Kaisers Joseph II. im Jahr 1781 und den ökumenischen Dialog der Gegenwart.

religion.ORF.at/KAP

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