Philosoph Spaemann: 
Einwände gegen das Klonen

In einem Gespräch mit der Tageszeitung "Der Standard" nimmt der deutsche Philosoph Robert Spaemann zur aktuellen Auseinandersetzung um das Klonen von Menschen Stellung. Spaemann war am Dienstag Gast am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM).

Es sind grundsätzliche Einwände, die der renommierte deutsche Philosoph gegen das Klonen erhebt. Und er spricht sich auch recht deutlich gegen die Haltung "liberaler" Moraltheologen aus, die sich eine gewisse "Flexibilität" bewahren wollen. Vor dem Hintergrund der Pläne des italienischen Frauenarztes Severino Antinori, schon in absehbarer Zeit einen Menschen zu klonen, fordert Robert Spaemann Respekt vor der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens. In der "Faszination des Machbaren, das zugleich das Unerhörte ist" sieht der deutsche Philosoph einen Antrieb, der Medizinern wie Antinori eigen sei. Diese Faszination nehme bisweilen Züge des "Bioreligiösen" an. Zu den Vertretern dieser Richtung, den "Promotoren dieses Neuheidentums" (Spaemann), zähle auch der Philosoph Peter Sloterdijk, so Spaemann im "Standard".

"Verdoppelung ist nicht das Hauptproblem"

Das Hauptproblem des Klonens sei nicht die Verdoppelung des Menschen, denn genetisch identische Kopien stelle ja auch die Natur her, indem sie eineiige Zwillinge hervorbringe, so Spaemann. Abzulehnen sei das Klonen von Menschen, weil hier der eineiige Zwilling eines Erwachsenen hergestellt werde, "und diesem Zwilling fehlt es an einer offenen Zukunft." Er habe seine Eigenschaften beständig vor Augen, was seine eigene Entwicklung blockiere. Das immer wieder geäußerte Gegenargument, dass es sich dennoch um einen völlig anderen Menschen handle, lässt Spaemann nicht gelten: "Wie man es dreht und wendet, es ist immer ein Argument gegen das Klonen: Entweder die genetische Disposition ist total dominant, dann nimmt man dem Geklonten die Zukunft, oder sie ist nicht dominant, dann ist das Klonen sinnlos, denn man will ja identische Kopien herstellen."

"Kernfrage ist Frage nach Beginn des Lebens"

Als Kernfrage der aktuellen Diskussion bezeichnet Spaemann die Frage nach dem Beginn des Lebens. Die Schutzwürdigkeit des Menschen beginne in jenem Augenblick, in dem eine Entwicklung einsetze, an deren Ende ein Mensch stehe. Das sei auch, neben der Frage des "Embryonenverbrauchs", das Hauptargument gegen das von ihm abgelehnte "therapeutische Klonen". Es verstoße nämlich gegen die "Menschenwürde", so Spaemann im "Standard", die man mit Kant als die "Selbstzweckigkeit" des Menschen begreifen müsse.

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Letztes Update dieser Seite am  11.07.2006 um 09:47