Strahlenbelastung durch Radio Vatikan: Auch WHO äußert Bedenken

Die Strahlung im Umfeld der Sendeanlagen des Papstsenders im Norden Roms sei ein "Extremfall", betont ein Funktionär der Weltgesundheitsorganisation und rät zu "Vorsichtsmaßnahmen".

Nach dem italienischen Umweltminister Willer Bordon hat nun auch der Leiter der Europa-Abteilung der Weltgesundheitsorganisation WHO, Roberto Bertollini, Bedenken wegen der Strahlenbelastung im Umfeld der Sendeanlagen von Radio Vatikan in Santa Maria di Galeria im Norden Roms geäußert. In einem Interview

mit der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" sagte Bertollini, die Situation rings um die Antennen von Radio Vatikan sei "ein Extremfall", weil dort eine sehr starke Sendeanlage nahe an einer kleinen Gemeinde stehe.

Acht Leuklämie-Todesfälle in zwölf Jahren

Bertollini erklärte weiter, eine in der Umgebung des Senders durchgeführte Studie der Region Latium, die eine höhere Zahl von Leukämiefällen als im regionalen Durchschnitt ermittelt hatte, sei wissenschaftlich solide. Die Untersuchung hatte in zwölf Jahren insgesamt acht Leukämie-Todesfälle unter Kindern in einem Umkreis von vier Kilometern um die Antennen ermittelt.

WHO für "Absenkung der Strahlung"

Der WHO-Funktionär erklärte dazu, zwar sei die Zahl der Erkrankungen zu gering, um statistische Relevanz beanspruchen zu können, doch rechtfertige bereits das Auftreten dieser Fälle eine Entscheidung zur Vorsicht. Er räumte ein, dass die wissenschaftliche Literatur zu Phänomenen dieser Art noch spärlich sei, doch müssten bis zur endgültigen Klärung solcher Zusammenhänge Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, etwa durch Absenkung der Strahlung.

Gegen "kreuzzugsartiges" Vorgehen

Im Konflikt um die Sendeanlagen rief Bertollini zur Mäßigung auf. Es gehe um den Schutz der Gesundheit, daher müsse ein Weg gefunden werden, die Risiken in den Griff zu bekommen. Ein "kreuzzugartiges" Vorgehen sei verfehlt.

Umweltminister wollte bereits Strom "abdrehen"

Am Wochenende hatte Umweltminister Bordon gedroht, er werde dem Papstsender den Strom sperren lassen, wenn dieser sich nicht innerhalb von zwei Wochen an die italienischen Normen für Elektrosmog anpasse. Die Ankündigung hatte zu einem scharfen Protest des Vatikans geführt, der sich auf die Exterritorialität seiner Sendeanlage beruft und davon ausgeht, dass seine Antennen nur die international üblichen Strahlenschutznormen erfüllen müssen.

 

Link:

Radio Vatikan

 

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Letztes Update dieser Seite am  11.07.2006 um 09:48