Streit um Radio Vatikan: Regierungsbündnis vor der Spaltung ?

Der von der vatikanischen Sendeanlage verursachte Elektrosmog könnte zum entscheidenden Faktor in der Endphase des italienischen Wahlkampfes werden. Umweltminister Bordon ist zurückgetreten, weil ihm die Vorgangsweise der Regierung zu wenig konsequent war. Scheren die Grünen nun überhaupt aus dem Bündnis "L’Ulivo" aus ?

Der Streit um die Antennenanlage von Radio Vatikan hat jetzt auch Auswirkungen bis in die hohe italienische Politik. Umweltminister Willer Bordon hat seinen Rücktritt eingereicht. Die Haltung gegenüber dem Vatikan ist ihm zu inkonsequent. Auch zwei Minister der Grünen drohen mit ihrer Demission. Zehn Tage vor der Parlamentswahl ist das ein schwerer Schlag für das regierende Mitte-Links-Bündnis "L’Ulivo".

Führt vatikanischer Elektrosmog zu Leukämie ?

Die Kontroverse um die Antennenanlage von Radio Vatikan zieht sich bereits seit Monaten hin. Anrainer beklagen sich über den Elektrosmog – weit jenseits gesetzlicher Grenzwerte. In der Gegend häufen sich auch Leukämieerkrankungen, die auf den Elektrosmog zurückgeführt werden.

"Wir sind nicht Untertanen des Papstes"

Bordon hatte den Vatikan – gegen den Willen von Ministerpräsident Guiliano Amato – ultimativ aufgefordert, die Sendestärke zu reduzieren. Andernfalls drohte er mit der Sperre der Stromzufuhr. Originalzitat Bordon: "Wir sind nicht die Untertanen des Papstes." Radio Vatikan hatte sich von Anfang an kompromissbereit gezeigt. Die Sendestärke wurde reduziert. Es wurde auch die Verlegung einer umstrittenen Mittelwellenantenne angeboten.

"L’Ulivo" vor der Spaltung ?

Dem Mittel-Links-Bündnis mit dem Grünen Spitzenkandidaten Francesco Rutelli droht nun die Spaltung. "Das wäre Selbstmord wenige Tage vor der Wahl", sagte der Grüne Landwirtschaftsminister Alfonso Pecorara Scanio. Aber: "Die Grünen könnten nicht in einer Allianz bleiben, die in Sachen Elektrosmog nicht auf Prävention setzt."

Vatikan Dementiert Abbau der Sendeanlage

Radio Vatikan dementierte indessen Medienberichte, wonach die Kurzwellen-Antennen im Norden Roms auf Anordnung der Regierung abgebaut werden müssen. Programmdirektor Federico Lombardi sagte, im Kurzwellenbereich sei lediglich eine einzige Sendeantenne betroffen, die für eine kurze Zeit am Tag ein benachbartes Haus mit Strahlen belaste. Für den Mittelwellenbereich sei hingegen eine Verlagerung von Sendungen auf ein anderes Sendezentrum denkbar.

Seltsame Vorkommnisse in Cesano

Über die gewaltigen Antennen nahe der Ortschaft Cesano sendet Radio Vatikan seine religiösen Programme in 37 Sprachen um die Welt. In der Umgebung sollen sich seltsame Dinge zutragen. Wenn manche Anwohner ihren Kühlschrank öffnen, ertönt die Stimme von Radio Vatikan. Andere berichten, wenn sie ihr Ohr an die Heizungsrohre halten, könnten sie die Sphärengesänge hören. Im kleinen Vorortzug gingen plötzlich die Lichter in den Abteilen an, sobald er den Ort passiere.

 

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Letztes Update dieser Seite am  11.07.2006 um 09:53