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Kritik an neuer römischer Richtlinie für
liturgische Übersetzungen
Ein neues römisches Dokument wendet sich strikt gegen feministische Formulierungen in liturgischen Texten des römisch-katholischen Gottesdienstes. Kritik kommt daher vor allem von feministischer Seite. Die deutsche Bibelwissenschaftlerin Marie-Theres Wacker aus Münster sieht in der Liturgie-Verordnung eine "Selbstvergötzung des Männlichen". Auch in der Grammatik stecke ja Ideologie, sagte die Bibelwissenschaftlerin am Freitag gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Bedeutungen gehen verloren Wacker kritisierte, dass der Vatikan nur den lateinischen Text der liturgischen Bücher als Grundlage für die Übersetzung in Landes- und Regionalsprachen zulasse. Durch die Festschreibung auf die lateinische Sprache und ihre Grammatik gingen bestimmte Bedeutungen verloren. "Beweglichkeit der Grammatik" So sei der Begriff "Kirche", lateinisch Ecclesia, im Neuen Testament eine grammatisch weibliche Ekklesia, in der hebräischen Bibel aber der grammatisch männliche Kahal. "Der" Geist, lateinisch Spiritus, werde im Neuen Testament "das" Pneuma genannt, in der hebräischen Bibel aber wechselweise "der" oder meist "die" Ruach. Sprachliches Bilderverbot Somit komme in der Bibel Gott auch in weiblichen Bildern vor, der Begriff Kirche dagegen auch in männlichen. Diese "Beweglichkeit der Grammatik" solle als Hinweis auf das biblische Bilderverbot aufgefasst werden, unterstrich die feministische Theologin. "Kirche stets weiblich" Die römische Verordnung lehnt ausdrücklich eine Änderung der grammatikalischen Geschlechter bei der Übersetzung von Vater, Sohn und Heiligem Geist ab, wie sie feministische Theologinnen gefordert hatten. Ebenso muss den Richtlinien zufolge auf die Kirche stets mit dem weiblichen, nicht dem neutralen Pronomen Bezug genommen werden. Gegen den Geist des Konzils Die neue Richtlinie entspricht nach Auffassung des Bischofs von Galloway in Schottland, Maurice Taylor, nicht dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das Dokument stärke kirchlichen Zentralismus und entziehe den Ortsbischöfen ihre Zuständigkeit, so Taylor in einem Gespräch mit der US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur CNS.Ortbischöfe wurden nicht ausreichend konsultiert Das Vatikandokument verstößt nach den Worten des Bischofs zudem gegen das Prinzip der bischöflichen Kollegialität und zeige ein geringes Vertrauen Roms in die Ortsbischöfe. Weiter kritisierte er die mangelnde Konsultation der Ortskirchen vor Veröffentlichung der neuen Richtlinien. Der schottische Bischof ist Vorsitzender der internationalen Kommission für die englische Sprache in der Liturgie. Anpassung binnen fünf Jahre Die am Dienstag vorgelegte Verordnung "Liturgiam authenticam" verpflichtet alle Bischofskonferenzen und Ordensgemeinschaften, dem Vatikan binnen fünf Jahren einen Plan zur Übersetzung aller liturgischen Bücher vorzulegen und bisherige Übersetzungen baldmöglichst den neuen Richtlinien anzupassen. Für Texte in Gottesdiensten wird "feministischen" Übersetzungen wie "Heilige Geistin" oder "Vater und Mutter unser" eine entschiedene Absage erteilt.Lesen Sie mehr: Vatikan verbietet "feministische" Formeln im Gottesdienst
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Letztes Update dieser Seite am 11.07.2006 um 09:53 |