Religion im Rotlicht-Milieu
„Die ‚Pussycat-Predigerin‘“
Heather Veitch kennt das Leben von zwei extrem gegensätzlichen Seiten: Sie war Stripperin und Pornostar in Las Vegas. Und sie war Hausfrau, Kosmetikerin und Mitglied einer christlichen Gemeinde in Riverside in Kalifornien. Jetzt ist sie wieder in Las Vegas, der Hochburg der Sex-Industrie, doch heute wirkt sie dort als unermüdliche Botschafterin des Christentums und bemüht sich um Frauen im Rotlicht-Milieu. Ihr Weg ins Pornogeschäft begann mit der Flucht aus einer chaotischen Jugend als Tochter einer 17-Jährigen, einer Vergewaltigung und einer gescheiterten Ehe. Erst wurde sie Tänzerin, dann Stripperin, schließlich Pornostar, es gibt - so sagt sie selbst - fast nichts, worauf sie sich nicht eingelassen hätte.

ORF
Sendungshinweis
„kreuz und quer“ am 7. August 2012, 22.30 Uhr, ORF 2
Wiederholungen
Mittwoch, 8. August 2012, 20.15 Uhr, ORF III;
Donnerstag, 9. August 2012, 11.50 Uhr, ORF 2
Die Weltuntergangs-Ängste zur Jahrtausendwende haben Heather Veitch dann zu einer radikalen Wende veranlasst: Sie absolvierte eine Ausbildung zur Kosmetikerin, eröffnete einen Salon in Riverside, heiratete und schloss sich einer christlichen Gemeinde an, der „Sandals Church“ von Pastor Matt Brown. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schien sich der Traum von einem idyllischen Leben zu erfüllen. Doch dann erfuhr sie vom frühen Tod einer ehemaligen Freundin aus der Halbwelt. Diese Welt hatte sie selbst hinter sich gelassen, doch sie wollte auch etwas für die anderen Frauen und Mädchen tun, auch ihnen den Zugang zu einem Leben aus dem Glauben in einer christlichen Gemeinde ermöglichen.
„Die ‚Pussycat-Predigerin‘“ dokumentiert den Weg, den Heather Veitch dabei gegangen ist. Von der Idee und der anfänglichen Überzeugungsarbeit, über die ersten Erfolge und Misserfolge, den Widerstand aus den eigenen Reihen und den Skandal in den Medien, bis hin zu dem Entschluss, das Zentrum ihres Wirkens direkt nach Las Vegas zu verlegen. Neben Heather Veitch selbst erzählt auch Pastor Matt Brown aus persönlicher Sicht die Geschichte der Anfänge dieser ungewöhnlichen Mission.
Ein Film von Bill Day
„Liebe usw. - Jugendliche und Sex“
Generation Porno? Die Zeiten, als die Unterwäsche-Rubrik des Quelle-Katalogs noch als erotisches Teeny-Highlight galt, sind definitiv vorbei. Von Gruppensex bis Sodomie, vom Gang-Bang bis zu SM - heute haben Jugendliche fast uneingeschränkt Zugang zu pornografischem Material im Internet. „Starke Bilder hinterlassen einen Eindruck, der oft ein Leben lang prägend bleibt“, sagt dazu Ingrid Lackner, Religionspädagogin und Leiterin des Workshops „Abenteuer Liebe“ aus Graz.
Gibt es sie also, die vielbeschworene „Generation Porno“? Wie gehen Jugendliche mit ihrer „sexualisierten“ Umwelt um? Bettina Weidinger vom Institut für Sexualpädagogik setzt sich seit 20 Jahren mit dem Thema auseinander. Sie bietet mobile Sexualkunde-Workshops an Schulen an - ehrliche Gespräche und eine Hinführung zu einer selbstbewussten Sexualität stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Die Dokumentation begleitet die beiden erfahrenen Referentinnen an österreichische Schulen und lässt zudem die Jungen zu Wort kommen.
Gelogen wird viel beim Reden über Sex. Während Teenager heute medial gerne als verdorben und verroht dargestellt werden, erfährt man im Einzelgespräch, dass die echten Emotionen, die Träume, die Unsicherheiten und die Gefühle, die mit Pubertät und der eigenen körperlichen Entwicklung verbunden sind, doch jenen noch immer ziemlich ähnlich sind, die schon die Generationen davor bewegt haben.
Eine deutliche Sprache spricht auch die Statistik: seit 30 Jahren findet „Das erste Mal“ in Österreich und Deutschland im Alter von 16 bis 17 Jahren statt, und in 95 Prozent der Fälle findet dieses Erlebnis in einer fixen Beziehung und nicht beim One-Night-Stand statt. Und im Gegensatz dazu behauptet der Großteil aller unter 16-Jährigen, schon einmal Sex gehabt zu haben. Wo liegen also die Tabus? Die Sexualisierung der Sprache, der Umgang mit Pornografie, mit Erotik im Musikvideo und in der Werbung hätte keinen Einfluss auf die „wirkliche“ sexuelle Entwicklung der Jugendlichen, so Bettina Weidinger: Das größte Tabu läge immer noch im konkreten und ehrlichen „darüber sprechen“, jenseits von Angeberei und diversen Moralentwürfen.
Ein Film von Elisabeth Krimbacher und Thomas Grusch
